Auf in den Osten

Ich werde wach. Die Magenschmerzen in der Nacht sind eine Stufe tiefer gewandert. Was auch immer los ist. Jetzt machen sich die Schmerzen im Darmbereich breit. Elfi geht es gut. Wir haben gestern das gleiche gegessen. Daran kann es eigentlich nicht liegen. Ein langer Fahrtag liegt vor uns. Ich hoffe das ich den hinter mich bringe.

Ich steige ins Auto. Etliche Toilettengänge haben ein bisschen geholfen die Schmerzen zu lindern. Zurück auf der Straße fahren wir in Richtung Upington. Wir wollen noch einen neuen Reifen besorgen, einkaufen und Elfi zumindest, etwas frühstücken.

In Upington gibt es etliche Reifenservice, aber Continental sind die einzigen die geöffnet haben. Wir halten an. Der freundliche Mitarbeiter kann uns einen neuen Reifen aufziehen. Allerdings bekommen wir hier auch keinen Federal, sondern müssen uns einen Radial auf das Ersatzrad ziehen lassen. Langsam wird der blaue Klaus "Reifenmultikulti".

Die Besorgungen sind gemacht. Wir gehen an der Shopping - Mall in ein kleines Cafe frühstücken. Meine Verdauungsprobleme sind mittlerweile im grünen Bereich. Auch bei mir macht sich Hunger breit. Das Frühstück ist schnell bestellt und wir holen den Laptop raus. Es wird Zeit sich um die Emails zu kümmern und die Webseite zu aktualisieren.

Als das Frühstück eintrifft kommen zwei Schweizer in das Cafe. Sie setzen sich zu uns und wir kommen ins Gespräch. Sie sind seit zwei Wochen in Südafrika und haben noch 10 Monate Zeit. Ihr Ziel ist Kenia. 

Die Beiden haben sich ihren Toyota aus der Schweiz einschiffen lassen. "Das Nummernschild haben wir selbst gemacht.", erzählt er uns, "In der Schweiz versichert dir niemand ein Auto in Afrika.". "Spart auch Geld", füge ich hinzu und ernte ein grinsen. Afrikareisende sind Pragmatiker. Was funktioniert - das ist auch OK.

Wir verabschieden uns, denn unser Ziel für heute ist Vryburg. Der Weg dorthin ist weit.  Die Straße ist eine Teerstraße. Am Anfang kommen wir gut voran. Wir passieren einige Minen. Ab da wird die Straße zum Albtraum. Der LKW - Verkehr von den Minen nach Vryburg hat die Straße in den schlimmstmöglichen Zustand versetzt. Die Teerstraße hat sogenannte Potholes. Teilweise sind diese Löcher im Asphalt so breit, das sie über die hälfte der Straße reichen. Manche sind bis zu 30 cm tief. Das sind wahre Achsenbrecher. 

Im südlichen Afrika gibt es viele Arten von Straßen. Teerstraßen, Salzstraßen, Schotterpisten, Sandpisten und Geländewege. 

Die Teerstraßen sind meistens in sehr gutem Zustand. Denn in vielen Bereichen sind nur die Hauptverkehrswege geteert. 

An Namibias Küsten gibt es auch Salzpisten. Salzpisten sehen optisch wie Teerstraßen aus. Sie sind jedoch unglaublich glatt, wenn sie nass werden. Da schickt z.B. der morgendliche Küstennebel zwischen Walvis Bay und Swakopmund um die dortige Saltpad spiegelglatt werden zu lassen. 

Schotterpisten lassen sich gut fahren. Lediglich in den Kurven muss man vorsichtig sein. In vielen Bereichen können Schotterpisten wesentlich angenehmer sein als kaputte Teerstraßen. 

Ich liebe Sandpisten. Auf einer guten Sandpiste liegt das Auto ganz ruhig. Das Fahren wird zum Spass. Ich fahre hier maximal 80 km/h. In den Kurven gehe ich stark vom Gas. Der Gegenverkehr kann für starke Staubentwicklung sorgen. Da muss man etwas vorsichtiger sein. Auf Tiefsandpisten schalte ich den Allrad an. Hier ist auch die Höchstgeschwindigkeit wesentlich niedriger. 

Geländewege sind alle Wege auf denen man nur noch Schrittgeschwindigkeit fahren kann, oder sogar vorweg die Straße begutachten muss wo man am besten entlangfährt. Meistens fahren wir hier Allrad. Hier gilt es vor allen Dingen langsam zu fahren und das Auto nicht umzuwerfen. Solche Straßen hatten wir bis jetzt nur in Nationalparks.

Richtig gefährlich sind meistens Mischungen aus verschiedenen Straßen. Z.B. Teerstraßen die wieder versanden oder aufbrechen um wieder zu Schotterstraßen zu werden. Hier muss man ständig mit allem rechnen. 

Die Straße nach Vryburg zählt zur schlimmsten Kategorie. Vergammelte Teerstraße. Alle hundert Meter riesige Löcher und der Straßenrand bricht immer wieder ab. Dazu kommt das die Straße sehr eng ist und einen starken LKW - Verkehr hat. Wenn man nicht ständig nur 60 fahren will, dann muss man die mit Erz beladenen Kolosse auf der mit Löchern verminten Straße immer wieder überholen.

Mittlerweile fahre ich 100. Jedem Schlagloch weiche ich aus. Dann bricht der Rand der Straße ab. Ich sehe es zu spät. Mir kommt ein LKW entgegen. Ausweichen geht nicht. Ich donnere mit dem linken Vorderrad in das Schlagloch. Es hebt den Klaus ein Stück zur Seite. Ich kann ihn fangen. Der Puls rast. 

Nach einigen hundert Meter schaut sich Elfi den Reifen an. Er scheint es überlebt zu haben. Mit gedrosselter Geschwindigkeit kommen wir Abends in Vryburg an und suchen uns ein Guesthouse. Ich bin fertig. Das Fahren war ganz schön anstrengend. Ich habe noch nie so viele LKWs überholt. Und erst recht nicht unter diesen Bedingungen.

Nach der Dusche gibt es noch eine Dosis Fußball - WM. Mit dem Schlusspfiff endet der Tag...


Elfi & Andy auf Africatour - http://africatour.ankimo.net - ankimo1@googlemail.com