Das uralte Spiel ...

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Es ist ein uraltes Spiel. Seit Jahrmillionen wird es gespielt. Es gibt dabei keine zweite Chance. Wer verliert der ist raus. Das alte "Katz und Maus" spielt sich hier unmittelbar vor der Küste Kapstadts ab. Die Maus in Form einer bis zu mehreren hundert Kilo schweren Robbe verlässt jeden Morgen Seal Island. Eine kleine Insel in der Bucht vor Kapstadt. Die Katze - der große Weiße Hai mit mehreren Tonnen Gewicht.

Unser Boot liegt ruhig auf den Wellen. Der Morgen dämmert. Es ist still. Die Kap - Pelzrobben verlassen die Insel in kleinen Gruppen. Zumindest die Erfahrenen. Einige unerfahrene Tiere versuchen es alleine. Wir sehen sie an der Oberfläche. Sie springen von einem Wellenkamm zum nächsten. 

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Doch die Unerfahrenen befinden sich in tödlicher Gefahr. Hier - vor Seal Island - beherbergt das dunkle, tiefe Wasser eine tödliche Gefahr. In der Tiefe lauert ein Jäger den die Evolution seit Millionen von Jahren perfektioniert hat. 

Und plötzlich durchbricht die Wasseroberfläche. In Bruchteilen von Sekunden packt der Jäger sein Opfer. Er schleudert es zwei-, vielleicht dreimal und verschwindet damit in der Tiefe. Die Wellen als letzte Zeugen des Geschehens halten nicht lange an der Oberfläche an.

Es ging zu schnell. Einfach zu schnell für meine Kamera. Der Weiße Hai kann hier überall zuschlagen. Es ist unvorhersehbar.

Das Naturschauspiel kann man vor allen Dingen morgens beobachten und nur hier vor Seal Island. Anderswo springen die Haie nicht. Das Wasser ist hier so tief, dass die Haie genug Anlauf nehmen können um mit voller Wucht das Opfer zu attackieren. Sie schießen dabei mit ihrem ganzen Körper aus dem Wasser heraus. In der Regel haben die Haie eine Länge um die 4 Meter.

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Nun hängen wir eine Robben - Attrappe aus Neopren hinter das Boot. Die Attrappe wird langsam um die Insel gezogen. Auf der Insel sitzen immernoch tausende von Robben und ein vielfaches an Kormoranen. Ich knie am Heck des Bootes. Die Kamera immer auf die Attrappe gerichtet. Die Chance für ein Bild liegt im Bruchteil einer Sekunde. Kleine Wellen gehen von der Attrappe aus. Manchmal verschwindet sie im Tal einer Welle.

Es geht so schnell das ich es kaum mitbekomme. Der Auslöser rattert. Mit 6 Bildern die Sekunde verfolge ich den Hai. Die Attrappe bleibt diesmal hart gebeutelt an der Oberfläche zurück. Der Hai verschwindet.

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Aber es war noch kein richtiger Flug. Nur minimal schoss der Hai über sein Ziel hinaus. Ich hoffe auf eine weitere Chance.

Elfi baut ab. Die Seekrankheit macht sich wieder breit. Wir hatten diesmal extra Medikamente besorgt, aber die Tablette hilft nicht. Aber noch geht es. 

Nochmals wird eine Attrappe zu Wasser gelassen. Ich hoffe auf eine zweite Chance. Der Autofocus der Kamera surrt während ich wieder die Attrappe im Sucher verfolge. Meine Sinne sind auf 180. Jede Sekunde, jeder Moment, kann der entscheidende sein. Plötzlich. Mit einer unglaublichen Wucht. Ein Weißer Hai. Diesmal fliegt er wirklich.

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Der Spiegel der Kamera rattert. Ein Bild nach dem anderem landet auf der Speicherkarte. Das Wasser spritzt explosionsartig. Das Tier dreht sich in der Luft. Die entscheidende Aufnahme landet auf der Speicherkarte. Danke.

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Elfi bekommt die Szenerie noch mit. Danach verschwindet sie unter Deck. Die Seekrankheit hat gewonnen. Der Muffin den wir heute morgen noch schnell am Frühstückstisch mitgenommen haben war umsonst.

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Nun beginnt der zweite Teil der Tour. Wir lassen den Käfig zu Wasser. Blut und Fischkadaver werden zu einer unwiderstehlichen Brühe vermischt. Nach und nach wird ein Teil der Brühe ins Wasser geschüttet. Wir warten.

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Ich pendle zwischen Elfi und dem Deck als plötzlich ein großer Weißer Hai aus der Tiefe auftaucht und am Käfig vorbei zieht. Zwei Mann sind schon in Neoprenanzügen. Sie steigen in den Käfig. Doch der Hai soll sich nicht mehr blicken lassen. Sie warten weitere 20 Minuten im eiskalten Wasser. Nichts.

Wir warten noch weitere Stunden. Wechseln die Plätze. Doch es tut sich nichts mehr. Ein weiterer Hai wird noch einige Meter vom Boot entfernt gesichtet. Die Crew entscheidet, dass wir den Rückweg antreten. Gerade als der Käfig an Borde gehoben wird klatscht es noch einmal. 50 Meter vom Boot entfernt hat eine weitere Robbe das Spiel verloren und der Hai verschwindet mit seiner Beute in der Tiefe. Wir verschwinden in Richtung Hafen. Der einzige der sich darüber freut ist Elfi. Sie hat lange genug unter der Seekrankheit gelitten. Der Tauchgang war ein Reinfall.

Zurück am Guesthouse angekommen verabschieden wir uns von den Leuten und ihren Hunden. Wir verlassen Kapstadt in Richtung Gansbaai. Weiter wollen wir heute nicht mehr fahren. Unterwegs wird dem blauen Klaus heiß. Jetzt verliert er Kühlwasser. Nachdem wir etwas gegessen haben wird Elfi müde. Sie schläft auf dem Beifahrersitz ein und kommt den ganzen Abend nicht mehr wirklich in die Gänge. Jetzt scheint das Mittel gegen Seekrankheit anzuschlagen. Leider etwas zu spät....

Elfi & Andy auf Africatour - http://africatour.ankimo.net - ankimo1@googlemail.com