Der "Blaue Klaus" und ein Feiertag

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Nach einer kurzen Inspektion von Klaus entdeckt der Mitarbeiter von Kalahari Car Hire das Problem der nichtfunktionierenden Tankanzeige. Ein Stecker hat sich mit Sand vollgesetzt. "Das kommt öfters mal vor", erklärt er mir. Mit zwei Handgriffen zeigt er mir wie ich das Problem beim nächsten mal selbst beheben kann und Klaus ist wieder voll funktionstüchtig. "Aber ich habe euch noch eine neue Lichtmaschine mitgebracht", sagt er mit freundlicher Stimme, "Bei eurer langen Tour kann es sein das die sich auch mit Sand zusetzt, da ist es besser eine zweite dabei zu haben". Das ist der Moment in dem ich bereue nicht häufiger in der Werkstatt meiner Eltern mit Hand angelegt zu haben. 

Wir machen uns fertig für unseren Trip an die Indenpendence Ave. Das ist die Shoppingmeile von Windhoek. Wir verlassen die Chameleon Backpackers Lodge in Richtung Innenstadt. 

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Ich bin immer leicht angespannt, wenn ich in Windhoek zu Fuß unterwegs bin. Defakto ist Windhoek tagsüber in der Innenstadt ungefährlich, trotzdem bleibt ein mulmiges Gefühl.

Wir gehen nur drei Ecken weiter und biegen auf die Independence Ave ein. Elfi entdeckt sofort den Bücherladen. Doch die Tür ist geschlossen. Heute ist Feiertag. Der Cassinga - Tag. Heute wird dem Unabhängigkeitskampf erinnert und somit fällt unsere Shoppingtour schnell ins Wasser. Wir bummeln die Straße noch einmal auf und ab und passieren einige Auslagen mit hölzernen Figuren und allerlei namibianischer Handwerkskunst. Dies sind die Orte an denen Bettler warten um Touristen abzufangen. 

Ehe wir uns versehen werden wir angesprochen. Ein hagerer, kleiner Mann im Blaumann, seine Augen gelb hinterlegt lässt er ein paar gelernte, englische Sätze von der Leier. "Mister ...  Mister ... can i ask you a question ?", wir schweigen und gehen weiter, "Mister ... Mister ... i am a human being !". Als wir ihn weiterhin ignorieren lässt er von uns ab. Es gibt lukrativere Touristen. 

Durch Ignorieren kann man sich den einen oder anderen Bettler vom Hals halten, aber die Reste der Apartheid ignoriert man nicht. Hier in WIndhoek kann man sie am ehesten spüren. Die Spanne zwischen Arm und Reich - Weiß, Farbig oder Schwarz. 

Nach dem 2. Weltkrieg akzeptierte der Gerichtshof in Den Haag das südafrikanische Mandat über Namibia, obwohl Südafrika einen Treuhandvertrag mit der UNO strikt ablehnte. Die UNO konnte durch politische Sanktionen Südafrika dazu bewegen eine Infrastruktur in Namibia aufzubauen, aber die in den 60er Jahren geforderte Beendigung des Mandates konnten sie nicht erzwingen. Mit Unterstützung des Ostblocks konnte die SWAPO (South West Africa People's Organization) sich politisch und militärisch formieren.  Das Land wurde instabil und die Anschläge der SWAPO ließen den Gerichtshof in Den Haag sein Urteil überarbeiten - das südarikanische Mandat wurde für Illegal erklärt. Südafrika erklärte sich bereit Namibia in seine Unabhängigkeit zu entlassen.

Doch dem ersten Fehler folgte der zweite und die UNO erklärte die SWAPO zum Alleinvertreter über Namibia. Die Beziehung der SWAPO zur Sowjetunion war gegen alle südafrikanischen Interessen und die Tatsache, dass die SWAPO zum Großteil nur durch den Volksstamm der Ovambo vertreten wurde führte auch im Land zu Problemen.

Nach Abschaffung der Apartheit wurde ein Ministerrat aus 12 Personen gegründet. Pro Volksgruppe eine Person. Die SWAPO war abgelöst, und Namibia hatte die erste Regierung. Am 21.03.1990 wurde Namibia in die Unabhängigkeit entlassen und wurde umgehend Mitglied der UNO.

Rund 21 Jahre später schlendern wir am Cassinga - Day durch Windhoek und spüren die 80 %ige Arbeitslosigkeit unter der schwarzen Bevölkerung in Form von Bettlern, oder Menschen die einfach nur so rumstehen. Das die Probleme im Land nicht einfach Schwarz oder Weiß sind sollen wir später noch zu sehen bekommen, aber heute geht es einfach nur an den Pool.


Elfi & Andy auf Africatour - http://africatour.ankimo.net - ankimo1@googlemail.com