Der Fishriver Canyon und die Wüstenpanne

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Wir verlassen Ai-Ais und fahren an den Fishriver Canyon. Der Fishriver Canyon ist nach dem Grand - Canyon in den USA der zweigrößte Canyon der Welt, dicht gefolgt vom Blyderiver Canyon im Osten Südafrikas. 

Die Schotterpiste lässt sich schön fahren. Hier unten kommen immer wieder Touristen vorbei. Ist der Fishriver Canyon doch eine der Hauptattraktionen in Namibia. Die Sonne strahlt vom Himmel und Ludwigstrappen fliegen auf, wenn wir mit dem blauen Klaus an ihnen vorbei düsen. 

In Hobas lösen wir unser Permit für den Park. Danach wird die Straße schlechter. Wir genießen den Fahrtwind der durch das offene Fenster als sich plötzlich vor uns die Erde auftut und der gewaltige Fishriver Canyon alles von Menschenhand Gebaute in den Schatten stellt. Der gewaltige Canyon ist 160 km lang, bis zu 27 km breit und hat eine Tiefe an die 550 Meter. Das hätten wir dem Fishriver nicht zugetraut. Der relativ kleine Fluss macht eigentlich einen ganz unschuldigen Eindruck.

Panorama Fish River Canyon

Hier am Canyon gibt es mehrere Aussichtspunkte. Am Hauptaussichtspunkt mache ich einige Aufnahmen. Auch die Panoramaausrüstung kommt zu Einsatz. Hier, am Rande des Canyon,  baut der NWR eine Aussichtsplattform. Das einmalige der Landschaft - die Wildheit, Weite und Ungezähmtheit wird darunter leiden. Ich sehe jetzt schon Massen von Touristen dort sitzen und Schwarzwälder Kirschtorte schmatzen. 

Uns zieht es weiter zum Hiker's Viewpoint. Hier startet der Wanderweg durch den Canyon. Tageswanderungen sind nicht erlaubt und für eine Wanderung durch den Canyon braucht man ein amtsärztliches Attest und ein Permit. Die Wanderung dauert 3-5 Tage und ist 85 km lang. Wir sind schon am Rande des Canyons spazieren gegangen. Beim Anblick des Abstiegs schickt uns das auch erstmal.

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Wir wollen noch einen dritten Viewpoint anlaufen. Die PIste wird hier sehr schlecht. Überall schauen Steine aus dem Sandboden hinaus. Teilweise sind sie Messerspitz. Wir fahren ganz vorsichtig. Am dritten Viewpoint kann man ein Stück in den Canyon laufen. Wir machen dort noch eine Panoramaaufnahme. Wenn die Canyonwand noch mit im Bild ist, wirkt die Kulisse noch größer.

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Es ist Zeit ein Nachtlager zu suchen. Wir wollen zum Gondwana Canyon Roadhouse. Als wir den Park verlassen gebe ich Gas. Auf der breiten Sandpiste kann man problemlos 100 fahren. Wir haben wieder die Fenster offen und genießen den Fahrtwind. Plötzlich - hinter einer kleinen Kuppe kommt durch das offene Fenster ein merkwürdiges Geräusch. Klaus sackt hinten rechts ab. Ich halte den Kopf aus dem Fenster und schaue nach hinten. Der Reifen ist platt. Die Steine am Fishriver Canyon haben ihr Werk doch noch vollendet.

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Highjack (Fachbegriff für Wagenheber) und Radkreuz sind schnell zur Hand. Ich löse die ersten vier der sechs Muttern an. Die letzten Zwei sitzen Bombenfest. Ich steige auf das Wagenkreuz. Langsam Wippe ich und Wippe ich und Wippe ich. Plötzlich spüre ich eine erste Bewegung und die 5te Mutter ist gelöst. Das gleiche Spiel mit der Sechsten. Nach einigem Zögern gibt auch sie auf.

Gemeinsam suchen wir nach einem Punkt an dem wir den Wagenheber ansetzen können. Die, die in Frage kommen sind zu hoch für unseren Wagenheber ein weiterer zu niedrig. Elfi hat die Lösung und wir nutzen die Sandpiste. An der Stelle die zu niedrig ist buddeln wir ein Loch in die Straße. Voila - Der Wagenheber passt. 

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Mit einigen wenigen Handgriffen ist das Rad gelöst. Nun lege ich mich unter den Wagen und versuche unser Ersatzrad zu lösen. Erstaunt stelle ich fest das die Technik zu hoch für mich ist. Ich bekomme das Rad nicht gelöst. Irgendwie hängt das Rad an einem Stahlseil wir finden aber keine Möglichkeit das Seil zu lösen und das Rad abzulassen. Glücklicherweise haben wir noch ein zweites Reserverad im Heck. Jetzt müssen wir zwar den kompletten Klaus ausräumen, aber das Rad ist schnell montiert. Das neue Rad glänzt noch richtig und trägt uns zielsicher auf unseren Campingplatz.

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Der Staub der Straße muss runter und ich stehe unter der Dusche. Sie beobachten mich. Mit ihren großen Augen schielen sie aus den Spalten und Ecken des Duschraumes. Mit ihrer Zunge fahren sie sich über ihre Augen um alles genau im Auge behalten zu können. Geckos. Das Licht der Duschräume im Roadhouse zieht die Falter an. Auf diese haben sie es abgesehen. Mit ihren Lamellenfüßen klettern sie geschickt die Fließen auf und ab um im entscheidenden Augenblick blitzschnell zu zuschlagen. Das Schauspiel und das warme Wasser lassen mich vielleicht etwas länger Duschen als es in der Wüste angebracht ist, aber der lange, staubige Tag muss irgendwie kompensiert werden. Aber schon morgen steigen wir am Oranje ins Kajak ...

Elfi & Andy auf Africatour - http://africatour.ankimo.net - ankimo1@googlemail.com