Der Marakele Nationalpark ruft

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Rüdiger Nehberg sagte einmal, dass er auf all seinen Touren die er als Survival - Experte durchgeführt hat, nie so gefroren hat wie 19XX im deutschen Spessart. Lieber Rüdiger, da können wir über. Wir können behaupten, dass wir auf all unseren Touren nie so gefroren haben wie 2010 am Rande der Kalahari (Anm. der Red.: Wüste im südlichen Afrika).

Es hat ihn doch erwischt. Platt. Der linke Vorderreifen war gestern mit Volldampf in ein Schlagloch geraten. Heute Morgen ist er platt.

Während ich Anfange den gestern in Upington neu erstandenen Ersatzreifen aufzuziehen fragt Elfi im Guesthouse nach dem Weg zum Reifenservice nach. Wir würden den Reifen gerne noch vor dem Marakele - Nationalpark und Botswana reparieren lassen.

"Sie hat jetzt jemanden hier her bestellt. Der kümmert sich dann um den Reifen", erzählt mir Elfi, als sie von der Rezeption zurück kommt. Und kaum habe ich den Ersatzreifen aufgezogen kommt ein Pickup auf den Hof gefahren. Der ältere Schwarze steigt aus und kommt zu uns rüber. Er scheint etwas verblüfft, dass ich den Reifen schon gewechselt habe. Ich schiebe ihm den kaputten Reifen hin und versuche ihm zu erklären das er ihn flicken soll, oder einen neuen besorgen soll. Er spricht kein Englisch, aber er versteht was gemacht werden soll. Er lädt den Reifen auf den Pickup und setzt sich in sein Auto. Ohne ein Ton zu verlieren will er mit unserem Reifen verschwinden. Elfi schaltet noch schnell und fragt ihn wie lange es dauern wird. 20 Minuten antwortet er mit den Händen nachdem Elfi auf ihre Uhr zeigt. Dann ist er und unser Reifen verschwunden.

Nach einer halben Stunde kommt er wieder zurück. Nun sitzt noch ein jüngerer Kollege mit im Pickup. Wir begrüßen uns und er erklärt, dass sie nichts gefunden haben. Sie haben auf verdacht das Ventil gewechselt. Ich denke mir noch, "Dumm gelaufen", und frage ihn was es kostet. Er winkt ab. Er habe nichts gefunden, also will er auch kein Geld. "Aber du hast den Reifen abgeholt und hast ihn dir angeschaut. Du willst wirklich nichts ?", hake ich nach. Er winkt nur ab und schon haben die Beiden den Hof wieder verlassen. Das nenne ich Service. Das hatten wir wirklich nicht erwartet.

Weiter geht es in Richtung Marakele Nationalpark. Noch vor Rustenburg kommen wir in zwei Baustellen und müssen jeweils 40 Minuten stehen. Das reist unsere Planung wiedermal über den Haufen. 

Die Baustellen werden von den "Winkemännchen" angekündigt. Das sind Straßenarbeiter die den ganzen Tag mit einer Fahne am Straßenrand stehen und winken. Das zeigt den Verkehrsteilnehmern, dass eine Gefahrenzone folgt.

Danach folgt ein drehbares Schild. Auf der einen Seite steht Stop und auf der anderen Go. Neben dem Schild stehen in der Regel drei Personen. Der Schilddreher, der Funker und der Ersatzspieler. Der Funker hält den Kontakt zu anderen Seite der Baustelle. Er koordiniert welche Seite zur Durchfahrt geöffnet wird. Nach Anweisung des Funkers dreht der Schilddreher das Schild entsprechend auf Stop oder Go. Während der ganzen Angelegenheit spielt der Ersatzspieler mit seinem Handy. Ist das Schild neu eingestellt, dann treffen sich alle drei um zu besprechen welche SMS der Ersatzspieler erhalten hat. So sieht es zumindest aus. 

Wir bringen den Verkehr hinter uns und kommen im Marakele Nationalpark an. Der kleine Nationalpark hat alles was den Reisenden erfreut. Vom Löwen bis zum Elefanten. Dabei liegt er auch noch wunderbar am Fuss des Waterbergs.

Wir sind spät dran und checken bei der SANParks Mitarbeiterin ein. Sie ist leicht genervt. Scheint nicht ihr Tag zu sein. Das hält uns allerdings nicht davon ab 10 Minuten später unser Dachzelt auf dem gemütlichen Campingplatz aufzustellen.

Hier gibt es keinen Zaun. DIe Wildtiere können einfach auf dem Campingplatz ein und aus gehen. Mit dem Sinken der Sonne, Sinken auch die Temperaturen. Selbst im Schlafsack wird uns nicht warm. 

Doch wer als Kind genug Mc Gyver geschaut hat, der kann sich auch aus dieser Situation retten. Binnen Minuten habe ich aus einer schnöden Wasserflasche eine dufte Wärmflasche gebastelt (habe heißes Wasser hinein gefüllt).

Der Mc Gyver Trick rettet uns die Fußzehen, aber Elfi besteht auf eine kommerzielle Lösung am nächsten Tag. Wir beschließen morgen noch eine Decke zu besorgen. Doch erstmal schauen hier am Rande der Kalahari nur zwei Nasen aus den Schlafsäcken. Ihre Eigentümer haben sich weit in die Daunen zurückgezogen. Träumen von der Sonne...

Elfi & Andy auf Africatour - http://africatour.ankimo.net - ankimo1@googlemail.com