Der Westcoast NP und Kapstadt

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Irgendwo im dunklen, diesigen Kapstadt kuscheln sich zwei frisch gebadete Seelen unter eine Decke. Zwischen ihnen eine Tüte Chips. Jeder hat ein Dose Windhoek Lager in der Hand. Die Klimaanlage im Raum säuselt vor sich hin. Die Tüte leert sich. Die Dosen auch. Klick - das Licht erlischt. Der Ton von süßen Träumen säuselt im Takt der Klimaanlage als sich der Tag dem Ende zuneigt. Aufgewacht waren beide heute morgen im Getöse der Brandung am Campingplatz in Lambert's Bay.

Nach dem Frühstück zieht es uns auf die Landstraße. Der Westcoast Nationalpark ist unser Ziel. Ein Paradies für Vögel und allerlei anderes Getier. Es ist keine Saison im Park aber er liegt auf dem Weg. 

Wir machen Stop in Langbaan. Dem Ort vor dem Eingang zum Westcoast Nationalpark. Wir besuchen die Touristeninformation und besorgen uns Info - Material und eine Karte zum Park.

Auf dem Weg zurück zum Auto fällt uns eine Pfannkuchenstube auf. Der Magen knurrt und wir kehren ein. Es gibt einen Thunfisch - Gurken- und einen Spinat - ZIegenkäse- Pfannkuchen. Mit Mrs H.S. Balls Chutney geht das Zeug ganz gut die Kehle runter.

Wir laufen in den National Park ein. Es gibt mehrere Birdviews. Wir beobachten Flammingos, Möwen, Strandläufer, Kormorane, Löffler und einige Ibisse. Im großen und ganzen ist hier aber nicht viel los. Im Sommer brüten hier über 60.000 Vögel. 

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Aber die Wolken ziehen sich zu. Wind kommt auf. Wir müssen eine Entscheidung treffen. Wir bleiben hier, oder wir fahren durch nach Kapstadt. Der Gedanke an ein Zimmer in Austausch für eine verregnete, stürmische Nacht ist zu verlockend. Kapstadt - wir kommen.

Wir kommen genau in den Feierabend - Verkehr und es wird immer dusterer. Plötzlich landen die ersten Tropfen auf der Scheibe. Es fängt an zu schütten. Die Wolken geben ihr bestes.

Der Verkehr ist der Hammer. Und das auf der linken Straßenseite. Der Scheibenwischer wedelt wie ein Irrer, aber berührt nicht den rechten Teil der Scheibe. Ich sehe immer weniger. In der allgemeinen Verwirrung verpasse ich eine Abfahrt. Nach weiteren 20 Minuten haben wir keine Ahnung wo wir sind. Jetzt läuft die Scheibe an. Elfi stellt das Gebläse um während ich mich auf den Verkehr konzentriere, aber aus der Scheibenbelüftung kommt nichts raus. Der Teil der Klimaanlage scheint nicht zu funktionieren. Der blaue Klaus zeigt seine Charakterseite. Mittlerweile wird die Gegend durch die wir fahren weniger erfreulich. Es ist kein Slum, aber Bretter sind vor manche Türen genagelt und in dunklen Ecken stapelt sich der Müll. 

Elfi hängt konstant auf meinem Schoss und wischt die sich konstant wieder beschlagende Scheibe. Noch immer kommt der Scheibenwischer nicht in die Ecken und ich habe meine Fensterscheibe runtergelassen, damit ich wenigstens die kleinen Busse, die uns ständig überholen, sehe. Es wird dunkel. Wir geistern immer noch durch die Stadt. Ich habe mittlerweile das GPS zum Wandern an die Scheibe gehängt. Es ist nicht wirklich zum Autofahren gemacht. Man kann ihm nicht ganz trauen. Ich wische jetzt die Scheibe selber, Elfi kann kaum was auf der Karte erkennen. Die Innenleuchte vom blauen Klaus geht nicht. Im Fahrraum ist es jetzt stockdunkel. Wir fahren im Kreis, die GPS Karten sind in der Stadt einfach für den Eimer. Ich hatte schon die Straße vom Guesthouse nicht im GPS. Es soll uns erstmal in den richtigen Stadtteil bringen.

Plötzlich geht Blaulicht und Sirene hinter mir an. Ich weiss nicht ob ich Schlangenlinien gefahren bin. Ich bin froh, wenn ich die Straße treffe. Aber das Polizeimotorrad zieht einfach an uns vorbei. Elfi findet auf der groben Stadtkarte die Straße auf der wir uns befinden. Sie lotst mich um zwei, drei Ecken und das GPS gibt ihr auf einmal recht.

Nach weiteren 5 Kilometern kommen wir im Stadtteil Rondebosch an. Mittlerweile schüttet es aus Eimern. Die Straße vom Guesthouse ist weder im GPS noch auf unserer Karte. Ich rufe dort an. Vor fast 4 Stunden hatte ich Guesthouse reserviert und gesagt wir sind in 2-3 Stunden vor Ort. Der Mann von der Rezeption gibt uns eine kurze Beschreibung. Er erzählt was von der Rustenburg Apotheke. Dort waren wir vor wenigen Minuten vorbei gerauscht. Jetzt weiss ich wo es lang geht. 5 Minuten später stehe ich im Regen vor einer Tür und drücke die Klingel der Sprechanlage. "Mister Moller, i open for you", kommt es durch den Lautsprecher gefolgt von einem kurzen Lacher. Der Regen tropft von meiner Brille als jemand durch die Tür kommt. Er empfängt mich wieder mit einem Lacher und jeden Satz den er beendet - der endet mit einem Lacher. So richtig zum lachen ist mir zwar nicht zu mute, aber die gute Laune steckt langsam an. 

Er öffnet das Tor zum Parkplatz. Wir fahren den Klaus auf seinen Platz und sind uns sicher das er dort für heute bleibt. Nur noch ein Bad und dann ins Bett ... vielleicht noch ein Windhoek Lager ... irgendwo in einem verregneten und dunklen Kapstadt.


Elfi & Andy auf Africatour - http://africatour.ankimo.net - ankimo1@googlemail.com