Die Namib - Wildpferde und Lüderitz

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Es ist ein Kriegsschauplatz und wir sind mitten drin. Seit über 100 Jahren wird hier gekämpft und noch heute liegen die Opfer in Form von geplatzten Autoreifen und überfahrenen Tieren an den Straßenrändern. Die Kriegsmaschinerie besteht auf der einen Seite aus Catapilar - Bulldozern und auf der anderen Seite aus riesigen Sanddünen die bei Sturm mehrere Meter pro Tag vorrücken können. Die Straße nach Lüderitz ist ein Ort an dem der Mensch noch immer den Kampf gegen die Natur sucht. Doch wir stoppen erstmal in Garub.

Hier im Namib - Naukluft - Nationalpark leben mehrere Herden von Wildpferden. Heute geht man davon aus das die Pferde aus den Stallungen des Baron von Wolf (Duwisib Castle) entkamen und hier in der Namib vor über 100 Jahren Zuflucht fanden. 

In Garub gibt es eine Tränke an der die Pferde regelmäßig zum Trinken kommen. Ein kleiner Unterstand für Besucher ist so angelegt, dass man die Pferde dabei beobachten kann. 

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Die Pferde haben im Laufe der Jahre einige Eigenheiten entwickelt um energiesparend in der Wüste überleben zu können. Sie benötigen enorm wenig Wasser und verzichten weitgehend auf Rivalitäten. Der Chef unter den Hengsten ist der, der den größten Haufen setzt. Und um Nährstoffe zu sparen fressen sie den Haufen danach auch wieder.

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Wir können einige Fohlen und spielende Junghengste beobachten bevor wir den Ort Richtung Lüderitz verlassen. 

Kurz vor Lüderitz passieren wir Kohlmanskop eine alte, verlassene Diamantenstadt. Hier wurden früher mit einem enormen Aufwand Diamanten gesucht. Wir werden dem Ort noch einen genaueren Besuch abstatten. Lüderitz ist kein schöner Ort, aber die Tatsache das er an der Atlantikküste liegt verspricht Abwechslung. 

Wir kommen bei Familie Hälbich in der Pension "Zur Waterkant" unter. Fr. Hälbich hat einen leichten norddeutschen Akzent und begrüßt uns herzlich. Da alle Apartments momentan belegt sind kommen wir am ersten Tag in ihrem privaten Gästezimmer unter, morgen ziehen wir in eines der Apartments um. Nebenbei buchen wir auch gleich einen Bootsausflug nach Penguin Island. "Zur Zeit ist auch ein Wal in der Bucht, aber versprechen kann man nix",  fügt Fr. Hälbich hinzu und wir widmen uns dem "Blauen Klaus" und seinem Problem.

Ein kurzes Telefonat mit Hubert in Windhoek und wir sind auf dem Weg zu Plietz Engineering. Hier soll dem "Blauen Klaus" geholfen werden. Ein graues Gebäude das schon etwas in die Jahre gekommen ist trägt das Schild "Plietz Engineering. Seit 1909.". Wir öffnen die Tür zu einem Hinterhof. Ein alter Schulbus und diverse Landrover bzw Toyota Geländewagen stehen hier und warten auf ihre Behandlung. Ein afrikanischer Arbeiter im Blaumann zeigt nach links in eine Werkstatthalle. Wir gehen hinein. Zwei Männer sind in ihre Arbeit vertieft. Der eine etwas ältere reinigt einen Motor, der andere putzt seine ölverschmierten Finger an einem alten Lappen ab und wendet sich uns zu.

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"Hallo. Hubert hat uns angekündigt.", spreche ich ihn, "wir haben Probleme mit dem H2 Gang in unserem Toyota.". Keine Antwort. Der Mann ist einen ganzen Kopf größer als ich und hat breite Schultern und eine Glatze. Er geht an mir vorbei schaut sich da Auto hinter uns an und fragt, "Was macht er denn ?". "Wenn wir den H2 einlegen, dann kommt ein kratzendes Geräusch. Ich glaube aus der Achse vorne Links. Im H4 Gang funktioniert alles einwandfrei". Er geht ums Auto und schaut sich die Räder an. "Auf der einen Seite ist die Differentialsperre drin auf der anderen nicht", kommentiert er trocken. Ich hatte die Differentialsperren überprüft. Das war auch mein erster Gedanke, aber die waren beide draußen. Für den H4 hatte ich beide rein gemacht. Ich erkläre ihm kurz das ich das schon überprüft hatte. "Aber die eine war drin die andere nicht", gibt er zurück. "Ich fahr mal kurz.", kündigt er an und ich gebe ihm die Autoschlüssel. 

Er fährt vom Hof und dreht eine Runde. Elfi und ich wir können uns nicht erklären warum eine Sperre eingeschaltet war und die andere nicht. Und während wir noch darüber sprechen biegt Plietz wieder auf den Hof ein.

Er steigt aus. "Ja. Da schleift was.", wirft er uns entgegen um danach gleich dem Afrikaner Anweisungen auf Afrikaans zu geben. Sekunden später kommt der Afrikaner mit einem Wagenheber wieder und der "Blaue Klaus" lernt fliegen. 

Plietz rüttelt kurz an den beiden Reifen. Am linken Vorderrad kommt ein kurzes, "Das ist nicht gut.". Am rechten Vorderrad, "Auch nicht schön, aber geht noch.". Elfi und ich wir sehen uns ratlos an. Das hört sich erstmal nicht gut an. 

Er schraubt am linken Vorderrad die Differentialsperre auf. Während ihm ein Ring und eine Feder entgegenkommen sagt er verwundert, "Das ist ja falsch rum drin !!". "Aber das ist nicht alles. Das Radlager ist auch hinüber.", erklärt er uns und fügt noch hinzu, "Auf beiden Seiten.". Wir sind erstmal erleichtert. Das hört sich reparierbar an. 

Plötzlich taut Plietz auf und erklärt uns alles ganz genau. Aus den kurzen und knappen Antworten werden lange Erklärungen und gute Tipps und Ratschläge. 

"Ich muss mal mit Hubert reden. Ich mein - wegen der Ersatzteile. Wenn er die heute noch auftreibt, dann sind die Montag da und wir können die einbauen.", erklärt uns Plietz. Wir fangen an zu rechnen. Wir haben keine Ahnung welcher Tag heute ist. Samstag - ist das Ergebnis unserer Recherche und wir rechnen uns aus das wir zwei Tage kein Auto haben werden. Aber Plietz erklärt uns, dass er einfach den Inhalt der Differentialsperre ausbaut und wir ohne fahren können. Am Montag sollen wir das Auto vorbei bringen.

Hubert besorgt die Teile in Windhoek und der Kurier sollte sie bis Montag Mittag zu Plietz Engineering bringen. Wir verlassen mit dem "Blauen Klaus" den Hof und steuern in Richtung Ritzi's Seafood. 

Wenn man kein Fleisch isst, dann kann das Hinterland von Namibia eine harte Probe sein. Wir freuen uns schon auf den frischen Fisch. Es gibt Hake, Kingklip, Prawns, Calamari und einen Nachtisch der aus Waffeln, Eis und Sherry bzw Schokosauce besteht. Natürlich gibt es auch noch ein frisches Windhoek Lager. Und mit dem Schmaus beenden wir den Tag, denn morgen stechen wir in See ....

Elfi & Andy auf Africatour - http://africatour.ankimo.net - ankimo1@googlemail.com