Die Wolfberg Cracks

28_8785_154

Drei Meter unter mir steht Elfi. Ich klemme in einer Felsspalte. Meine Füße stemmen sich in der Höhe meiner Hüfte gegen eine Felswand um mein Hintern gegen die andere Felswand zu pressen. So bin ich eingekeilt und das ist auch erstmal gut so. In Höhe meines Kopfes hängt ein großer Findling der genauso eingekeilt ist wie ich. Ich muss da rauf. Mein linker Arm greift nach dem Findling. Ich kann mich ein Stück hochziehen, dann schickt der Halt nicht mehr. Wieder klemme ich mich zwischen die beiden Wände.  Meine einzige Chance ist eine Felsspalte in die ich meine Finger einklemmen kann. Ich rede mir selbst ein, dass es bei der Kälte keine Skorpione gibt und greif in die Spalte, die ich nicht einsehen kann. Dabei fing heute morgen alles mit einem gemütlichen Kakao an.

Die Nacht war bitter kalt und auch am Morgen wird es nicht viel wärmer. Die Sonne kommt nur langsam durch den Nebel in das Tal. Wir Frühstücken und unsere kalten Finger umklammern die warmen Tassen. Wir packen leichtes Equipment. Nur eine Kamera mit dem nötigsten an Utensilien, feste Bergschuhe und Fleecejacken. Dazu Tee in Flaschen und eine kleine Brotzeit.

Das Camp ist schnell abgebrochen und der blaue Klaus fährt uns zum Anfang unseres Trails. Am Wegrand brennt es. Die Mitarbeiter des Weingutes brennen den Fynbos ab. Dazu sind sie verpflichtet, damit sich der Fynbos (Flora des südlichen Kaps) wieder regenerieren kann. 

28_8755_124

Wir ignorieren die Flammen und sind wenige Minuten später auf dem Weg in die Berge. Vorbei an Protehen und anderen endemischen Pflanzen schlängelt sich der Weg in die Einsamkeit. Wären da nicht ab und zu Stimmen, die aus den Bergen kommen. Schon vor uns ist eine Gruppe von 4 Wanderern aufgebrochen. Ihr Echo dringt ab und zu bis zu uns herunter.

28_8779_148

Wir haben eine kleine Zeichnung bekommen die uns den Weg in die Cracks erklären soll. Diese Zeichnung haben wir in der Hand als wir einer mehrere hundert Meter hohen Felswand gegenüber stehen. Es gibt mehrere Möglichkeiten in die Cracks zu kommen. Die Schwierige, die Einfache und die Einfache mit einem noch einfacheren Anfang. Die Einfachere mit dem noch einfacheren Anfang finden wir nicht und beschließen daher uns der nur Einfachen zu widmen.

28_8809_178

Wir müssen einem kleinen Sims um die Felswand entlang folgen. Hier wird es einem wirklich schwindelig. Der Sims ist vielleicht 70 cm breit. Links davon geht es mehrere hundert Meter hoch - rechts davon gut 40 Meter runter. Und das im freien Fall. Keine Ketten, kein Geländer, kein doppelter Boden.

28_8807_176

Die ersten 50 Meter machen wir noch mit. Hinter einer Kurve verjüngt sich der Sims auf gerade mal 30 cm. Hier ist Schluss. Das wird uns zu Eng. Wir treten den Rückzug an. 

Nun geht es an den schwierigen Weg. Und tatsächlich schwierig und riskant scheinen hier unterschiedliche Begriffe zu sein. Im schwierigen Trail geht es durch ein Loch unter einem riesigen Findling hindurch in das innere einer Höhle. Mit ein paar Klimmzügen kommt man etwas später, etwas höher, etwas weniger beklemmt auf der nächsten Ebene des Berges an.

28_8817_186

Nun geht es wieder an die frische Luft. In etwas sicherer Manier geht es außen an der Felswand entlang bis wir in den eigentlichen Felsspalten angekommen sind. Die Ruhe und Abgeschiedenheit hier ist phenomenal. Kein Pieps, kein Wind - nur unser Atem.

28_8833_202

Der Weg geht weiter. Stein auf, Findling ab durch mal weitere, mal engere Spalten. Das Tageslicht sieht man meist nur oben am Rande der Spalten einfallen.

28_8827_196

Wir werden immer besser im Überklettern, Durchpressen und Unterkriechen wäre da nicht noch die eine Stelle könnte uns nichts mehr aufhalten. Auf unserer Karte ist sie markiert. "Da kommt ihr nur zu zweit hoch", warnte uns die Frau im Office vom Weingut. "Beim ersten Findling oben drüber, und beim zweiten drunter durch", erklärte sie nachträglich. Und nun hänge ich hier. 3 Meter über dem Boden die Hand in einer Felsspalte die ich nicht einsehen kann und versuche über den ersten Findling hinüber zu klettern. Doch der Halt den die Spalte gibt reicht aus um mich über den Findling zu ziehen. Elfi unten ist erleichtert. Ich weiss noch nicht ob das so gut ist hier oben zu sein, wenn es hier nicht weiter geht muss ich wieder hinunter.

Ich geh die Spalte etwas weiter. Auch an der nächsten Stelle wird es nicht einfach, aber ich denke das es klappen könnte. Das Loch das hier durchklettert werden muss ist verdammt klein. Mal schauen ob ich da durch passe. Elfi auf jeden Fall.

28_8836_205

Ich gehe zurück um ihr die Botschaft zu bringen, dass es hier weiter geht. Nun muss sie die Spalte hinauf. Da sie kleiner ist hat sie es noch schwieriger, aber nach kurzem Kampf gibt der Berg samt Spalte auf und sie hat es geschafft.

Nun ist Elfi an der Reihe. Sie geht in der engen Spalte vor. Gehen heisst hier eigentlich auf dem Rücken, mit dem Gesicht nach oben, schiebt sie sich durch den schmalen Spalt auf die andere Seite. Nun kann ich sie nicht mehr sehen. 

Mir ist noch etwas mulmig. Der Spalt ist wirklich eng. Ich reiche Elfi den Rucksack durch und lege mich auf den Rücken. Meine Beine schieben mich nach vorne bis der Oberkörper auf der anderen Seite ist. Nun müsste ich ein Stück nach oben klettern, aber der Spalt ist zu eng. Ich leere in dem Loch meine Hosentaschen und gebe den Inhalt an Elfi. Wieder ein paar Zentimeter gewonnen. Während ich mit den Händen etwas Sand am Boden wegkratze um mehr Platz zu haben zieht Elfi an meinen Schultern. Zusammen bekommen wir mich aus dem Loch. 

28_8839_208

Jetzt sind es nur noch wenige Meter und wir kommen auf dem Gipfel an. Brotzeit. Wie auf jedem anständigen Gipfel gibt es auch hier ein paar neugierige und gefräßige Vögel.

28_8855_224

Ein kurzes Gipfelfoto und wir steigen wieder ab. Der Abstieg erfolgt durch eine weitere Schlucht. Der Weg hier ist viel einfacher. 

28_8845_214

Wir genießen die Aussichten die sich uns bieten.

28_8823_192

Im Camp angekommen gibt es erstmal Käse - Maccaroni. Die Beine fühlen sich nach Muskelkater an und irgendwie kommt uns die Nacht nicht mehr so kalt vor ...

Elfi & Andy auf Africatour - http://africatour.ankimo.net - ankimo1@googlemail.com