Es geht ins Kajak

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Wir sind gerade fertig mit Frühstücken und meine Arme sinken von der Lehne des Campingstuhls. Gerade als ich richtig entspanne bemerke ich den Schmerz in meiner Hand. Spitze Zähne bohren sich in meinen Ballen und das kleine Raubtier kaut genüsslich noch einmal nach. Schnell drehe ich meine Hand und der Angreifer landet auf dem Rücken. Ich graul ihm den Bauch.

Elfi und ich, wir sind die Attraktion der drei Border - Collies vom Amanzi Trails Camp. Anscheinend genießen sie die Aufmerksamkeit die wir ihnen entgegenbringen. Erst recht der kleine Welpe, der sich gerade an meiner Hand festgebissen hat.

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Die drei schleichen schon seit gestern Abend um unser Dachzelt und Elfi kann ohne die "Bodyguards" nicht mehr zu den Waschräumen gehen.

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Mit schwerem Herzen lässt Elfi den kleinen zurück und wir steigen in unser Schlauchboot. Unser Kajak von gestern ist einem blauen Schlauchkajak gewichen. Passend zum blauen Klaus.

Der Oranje ist einer der wenigen Flüsse Namibias der das ganze Jahr über Wasser führt. Er entspringt im Hochland von Lesotho und fließt einen großen Teil durch Südafrika um dann hier als Grenzfluss zwischen den beiden Ländern zu dienen. Aber er ist mehr als nur ein einfacher Grenzfluss, denn der Name Oranje ist fest mit dem Wort Diamanten verknüpft. 

Genau genommen ist es auch der Oranje der dafür gesorgt hat das aus der Diamantenstadt Kolmanskop eine Geisterstadt geworden ist. Die Diamanten die hier gefunden wurden waren sechs mal so groß wie die in Kolmanskop. Als die Nachricht in die Welt ging verliessen die Diamantensucher Kolmanskop um am Oranje ihr Glück zu suchen. 

Noch heute patrollieren Diamantensuchschiffe in Oranjemund. Hier, wo der Oranje in den Atlantik mündet, suchen sie den Boden nach Diamanten ab.

Aber auch Diamantenschmuggler bedienen sich des Flusses. Hier gehen die wertvollen Steine im Zwielicht zwischen Tag und Nacht über die Grenze um illegal anderen Ortes auf den Markt zu gelangen. Alexander Bay ist einer der Orte in dem skruppelose Diamantenhändler ihrem Geschäft nachgehen.

Aber heute paddeln zwei friedvolle Seelen im Einklang mit der Natur die braunen Wasser des Diamantenflusses hinauf. Nah am Ufer gleiten unsere Paddel ins Wasser. Unsere Augen suchen nach den verschiedenen Vögeln die hier Nisten, Jagen und sich verstecken.

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Wir passieren einige Schlangenhalsvögel und Kingfisher als mir etwas im Wasser auffällt. Ein kleiner Kopf schwimmt durchs Schilf. Es ist ein junger Nilwaran. Im Fernglas verfolgen wir seine Route bis er im Schilf verschwindet. Aber nach einigen weiteren Kilometern ist klar - Nilwarane gibt es hier einige. Sie liegen meistens auf den Felsen am Rande des Flusses. Mit einem lauten Klatsch flüchten sie in die braunen Fluten. Meist zu schnell um ein Foto machen zu können.

Wir kommen an einige Stromschnellen. Hier kommen wir nicht weiter. Zumindest nicht ohne die Vegetation am Ufer zu zerstören. Kurz vor den Stromschnellen gibt es eine Sandbank. Auf ihr lassen wir uns nieder. Beobachten Krabben und Kingfisher, lassen uns die Sonne auf den Bauch scheinen.

Ein Kanu taucht weiter Stromaufwärts auf. Ein Mann paddelt genüsslich den Oranje hinunter. Ich möchte sehen wie er durch die Stromschnellen kommt. Er steht kurz vor der kritischen Stelle im Kanu auf. Schaut sich um. Und fährt die Stromschnellen, im Kanu stehend hinunter. Er erntet unseren vollen Respekt.

Etwa 500 Meter flussabwärts fährt er auf der gegenüberliegenden Seite ins Schilf. Nach einigen Minuten setzt er seine Reise fort. Kurz bevor er um eine Kurve verschwindet setzt er sein Kanu noch einmal fest. Im Fernglas kann ich sehen das er uns beobachtet. Wir denken uns nichts dabei. Vielleicht ist es einfach ein neugieriger Kerl.

Wir setzen zur Rückreise an. Ich entdecke am Ufer einen stattlichen Nilwaran. Diesmal flüchtet er nicht. Wir steuern das Boot ans Ufer. Elfi sitzt vorne und kann einige Bilder machen. Ich nehme an, dass der Waran nach seiner Jagd im kalten Wasser noch etwas Zeit zum Aufwärmen brauchte. Doch irgendwann trottet er in eine Felsnische und wir ziehen weiter.

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Im Camp erwarten uns schon unsere drei neuen Freunde. Sie verstehen auch nicht warum wir sie nicht mitgenommen haben. 

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Als das Boot langsam auf den Sand aufläuft denke ich noch einmal an den Kerl im Kanu. Mir wird klar das wir auf der südafrikanischen Seite auf der Sandbank saßen als er uns gesehen hat. Ich überlege ob er uns für Diamantenschmuggler gehalten hat. Hier am Oranje dreht sich vieles um den edlen Stein ... 

Elfi & Andy auf Africatour - http://africatour.ankimo.net - ankimo1@googlemail.com