Frost und Torschluss

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Fassungslos halte ich den 5 Liter Wasserkanister in der Hand. Er lag im blauen Klaus. Wir wußten es kann in der Kalahari um die Jahreszeit sehr kalt werden, aber das - damit hatten wir nicht gerechnet. Im inneren des Kanisters treibt ein Eisblock. Das Thermometer zeigt -11 °C an. Wir fahren in den Park ein.

Heute wollen wir nur den Auob hochfahren. Gemütlich. Keine Kilometer fressen. Aber wir sind noch nicht richtig losgefahren, als eine Gruppe Autos am Wegesrand steht. Wir halten an. Alle schauen in eine Richtung, aber wir suchen vergeblich. Wir sehen nichts. Hinter uns kommen noch weitere Autos. Aber im Rückspiegel kann ich sehen, wie auch sie vergeblich den Hang absuchen. 

Wir fahren neben unseren Vordermann der anscheinend etwas gesehen hat. "There is a Leopard.", sagt er und zeigt auf die Büsche und fügt hinzu, "With one cub.". Wir sehen immer noch nichts. 

Nach weiteren 5 Minuten sieht Elfi plötzlich den Kopf. Die Mutter schaut sich die Kette der Autos an die sich entwickelt hat. Plötzlich ein zweiter Kopf. Das Junge ist nicht mehr ganz klein, aber merklich kleiner als die Mutter. Beide scheinen sich von der Nacht zu erholen. Im Gebüsch sind sie gut getarnt.

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Wir bleiben noch weitere 10 Minuten, dann verschwinden sie ganz im Gebüsch. Ich markiere mir die Stelle im GPS. Hier halten wir auf dem Rückweg wieder an.

Wir treffen noch auf einen Lannerfalken der anscheinend ein Borstenhörnchen erwischt hat. Genüsslich zerlegt er den Nager. Raubvögel gibt es hier im Park sehr viele.

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Kurz bevor wir uns auf den Rückweg machen wollen steht wieder ein Auto unter einem Baum. Wir halten. Im Dunkel, das die Äste spenden, hält ein Milchuhu seine Mittagsruhe. Wir versuchen so wenig wie möglich zu stören, machen aber einige Bilder.

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Nun geht es auf den Rückweg. Wir wollen bei der Leopardenmutter anhalten, aber soweit kommen wir nicht. Auf der linken Düne taucht ein Leopard auf. Diesmal ein Männchen. Der Kerl ist riesig. Langsam und ohne ein zucken zieht er den Hang hinab in das Flussbett. Er markiert einige Bäume, riecht an ihnen und zieht ohne uns eines Blickes zu würdigen weiter. Mittlerweile sind wir nichtmehr alleine und fahren mit den anderen Autos im Konvoi neben dem Leoparden her. Nun geht er in Richtung Sandpiste. Kurz bevor er die Straße betritt schaut er kurz nach den Autos. Der einzige Blick in die Kamera. Klick.

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Es ist einfach fantastisch ein so majestätische Tier in freier Wildbahn zu sehen. Noch einige 100 Meter können wir ihn begleiten. Dann verschwindet er hinter der rechten Düne. Der Konvoi löst sich auf und wir sind wieder alleine.

Die Leopardin mit dem Jungen sehen wir allerdings nicht mehr. Es wäre auch noch kaum Zeit gewesen. Wir müssen um 18.00 Uhr den Park verlassen und wollen noch den Sonnenuntergang fotografieren. Aber das ist nicht so einfach. Zwischen Sonnenuntergang und Torschluss sind nur noch wenige Minuten. Die Landschaft um Twee Rivieren ist nicht sehr ergiebig. Auto verlassen ist natürlich auch verboten, aber die Farben sind wunderbar. Ich mache einige Bilder.

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Jetzt müssen wir zurück. Der blaue Klaus zieht durch die Dünenlandschaft - gefolgt von einer Staubwolke. Elfi fährt. Ich schaue auf die Uhr. Die Minuten vergehen. Jetzt wird es knapp. Wir biegen die letzte Kreuzung ab und Erleichterung macht sich in uns breit. Das schaffen wir noch. Punkt 18.00 Uhr stehen wir vor dem Gate. Vor dem Gate - Es ist geschlossen. Die haben einfach mal früher Feierabend gemacht.

Eingesperrt in einem südafrikanischen Nationalpark. Das ist der Traum eines jeden Naturfotografen, aber trotzdem wir müssen irgendwie raus. Am rechten Wegesrand steht ein Schild mit einer Notfallnummer. Ich rufe an. Der Mann am Telefon klingt recht freundlich. Er kommt gleich vorbei. 

Es vergehen keine 5 Minuten da kommt ein Mitarbeiter von SANParks. Während er das Tor öffnet steige ich aus. Ich laufe zu ihm rüber. Will etwas Konversation betreiben. Die Sache möglichst friedlich lösen. "Go back in you car.", schallt es mir im Befehlston entgegen. Das kann ja heiter werden. 

Ich sitze wieder im Auto. Das Tor ist offen. Elfi fährt durch das Tor und bleibt neben dem Mitarbeiter stehen. Die Scheibe ist unten. Ich habe mich schon auf eine härtere Diskussion eingestellt, da kommt mit versöhnlicher Stimme, "Please tomorrow ... be a little bit earlier ... maybe 5 minutes ... those guys at the gate ... it is soccer worldcup". Die Erleichterung steht Elfi und mir ins Gesicht geschrieben und ich antworte, "No problem." während der blaue Klaus sich langsam aus der Affäre rollt.

Im Chalet angekommen werden wir von unserem "Dachtierchen" begrüsst. Es fiept uns freundlich zu, aber zu Gesicht bekommen wir es nicht. Es folgt das Essen und die Dusche. Der Staub muss runter. Danach verkrümeln wir uns wieder unter die Decken.

Stunden später. Es ist dunkel. Meine Augen öffnen sich. Mir fällt sofort der starke Schmerz auf. Mein Magen verkrampft sich. Ich bekomme kein Auge mehr zu. Auch mehrere Toilettengänge helfen nicht. Erst eine Schmerztablette lässt mich wieder einschlafen...

Elfi & Andy auf Africatour - http://africatour.ankimo.net - ankimo1@googlemail.com