Hardap Dam entdecken - Afrika finden

7_1980_156

Punkt halb sieben verlassen wir den Campingplatz in Richtung Park. Der Wächter lässt uns aus dem Camp und wir fahren wieder über den Fish river zum Parkgate. 

Doch das Gate ist geschlossen. Ein altes Schloss umklammert ein noch älteres Tor. Wir fragen in den Baracken nach, wann das Tor geöffnet wird. Dort erfahren wir, "So gegen 8". Wir fahren zurück zum Wächter um uns zu erkunden warum der Park noch geschlossen ist. Ein kurzer Blick durch seine Sonnenbrille auf seine Armbanduhr verrät ihm das 7 Uhr schon durch ist. Er zückt sein Handy und ruft im Office an. Nach einem kurzen Telefonat bestätigt er uns, dass seine Kollegen gleich kommen werden. 

5_910_1

Wir vertreiben uns die Zeit damit am Fish river die Vögel zu beobachten ... nach 40 Minuten kommt ein Kleinbus. Zwei Mann fahren an das Tor um das Schloss zu öffnen. Wir sind wieder auf dem Weg zum Birds Paradise.

7_1896_72

Uns erwartet das gleiche Bild wie am Vortag. Vor allem Marabous und Löffler sind unterwegs. Ein Schakal macht Jagd zwischen den Marabous. Nur seine Ohren sind im hohen Gras zu erkennen.

Wir fahren weiter an einen kleineren Teich um dort an der Picknick Area zu Frühstücken. Es gibt Müsli mit Guave - Joghurt und Tee. Kleinere Echsen sind hier überall zu finden.

7_1918_94

Gestärkt soll es nun auf Wanderschaft gehen. Wir fahren auf das Gemsbock - Plateau um dort einen Wanderweg zu laufen. Das Plateau macht seinem Namen alle Ehre. Unzählige Oryxantilopen (Gemsböcke) sind unterwegs.

5_1300_391

Der Wanderweg ist durch einen gelben Fußabdruck markiert der auf die Steine gemahlt worden ist. Wir folgen den Zeichen in die Einsamkeit und Hitze. Bewaffnet mit GPS und Tee verlieren wir uns langsam in der Weite. Der Blick zurück erkennt kaum den Weg und so passieren wir Antilopen, Echsen und andere Tiere. Ein paar Ruinen alter Häuser zerfallen, verlassen von jeder menschlichen Seele, in der Hitze zu Staub. Nur ein Pavian auf einem benachbarten Baum bemerkt uns. Es ist ein Späher. Sein Warnlaut lässt den Rest der Gruppe sich langsam aber sicher zurück ziehen.

7_1925_101

Nach knapp 2 Stunden erreichen wir einen Riss in der trockenen Erdkruste und wie eine Fatamorgana eröffnet sich uns ein Flussbett das Wasser führt. Tausende kleiner Fischchen spritzen durch das flache Wasser, wenn feuerrote Libellen über die Oberfläche gleiten. Wir legen eine Pause ein. 

7_1957_133

Nach ein paar Schluck Tee gehen wir weiter, doch nur wenige hundert Meter später suchen wir vergebens nach den Wegmarkierungen. Wir suchen eine gute halbe Stunde und geben dann auf. Das GPS führt uns direkt zurück zum "Blauen Klaus".

Die Hitze ist mir in den Kopf gestiegen. Ich merke das ich zu lange der Sonne ausgesetzt war. Und wir beschliessen uns langsam auf den Rückweg zu machen. Vom Auto aus können wir noch das seltene Bergzebra beobachten bevor wir aus dem Park, über den Fish River zurück ins Camp fahren.

Der Sonnenuntergang ist viel versprechend und ich platziere mich in der Nähe unseres Camps um Sonnenuntergangsbilder zu machen. Ich stehe auf einer 100 Meter hohen Klippe über dem See als ein hektisches, verzweifeltes Quietschen mich dazu bringt mein Auge von der Kamera abzuwenden.

Keine 10 Meter unter mir ist ein Adler in die Klippe geprescht. Er hat einen kleinen Klippschliefer erwischt, der verzweifelt um sein Leben schreit. Der Adler der anscheinend genauso überrascht ist, wie ich es bin, hält sein Tötungsakt inne. Er starrt mich an während ich die Klippe nach unten starre. Irritiert trägt er den noch schreienden Klippschliefer an den Felsen entlang an einen ihm sicher erscheinenden Ort. 

5_1357_448And7more

Wir bereiten uns auf die Nacht vor. Es ist dunkel als Elfi noch in dem Waschhaus duscht. Ein Kleinbus biegt auf die Schotterpiste ein. Der Fahrer scheint nicht wirklich zu wissen wo er hin will. Eine Frauenstimme scheint dem Fahrer deutlich zu machen das sie es besser weiss. Der Bus fährt dreimal an unserer Camp - Area vorbei bis er plötzlich einbiegt. Mit einem Stimmgetöse hält der Bus an. Die Tür öffnet sich und einige Einheimische steigen aus. Dabei werden schon lauthals Gospels geschmettert. Ruckzuck ist der vorher erholsam ruhige Platz mit Menschen und Stimmen bevölkert. Zwei der Insassen kommen auf mich zu. Der eine fragt, "Habt ihr eure eigenen Zelte dabei ?" - "Ja. Man muss hier sein eigenes Zelt mitbringen." antworte ich, während mein Gegenüber mit seinem Handy wild gestikuliert. "Die Frau vom NWR Office hat behauptet alles wäre inklusive" - schmettert die mir wohl bekannte Frauenstimme aus dem Hintergrund. Sie ziehen sich kurz zurück und besprechen ob sie im Bus schlafen oder einfach auf der Wiese.

Während dessen stürmt der Rest der Truppe die Waschräume. Die meisten davon singend oder lauthals in Unterhaltungen vertieft. Mittlerweile ist Elfi zurück und ich ziehe Richtung Waschhaus. Am Spiegel stehend putze ich mir die Zähne als einer der Neuankömmlinge mich freundlich mit einem "Good evening" grüßt um anschließend mich nach meinem Wohlbefinden zu fragen. Durch den Schaum meiner Zahncreme grüße ich zurück erkläre ihm das es mir gut geht und frage ihn nach seinem befinden. "No Props", kommt prompt zurück und er zieht sich dabei komplett vor mir aus um dann nackig wie Gott ihn schuf auf der Toilette zu verschwinden. Im Hintergrund wird immer noch gesungen.

Ich weiss nicht was ich von der ganzen Situation halten soll und breche verwirrt meine Waschaktion frühzeitig ab. Die Diskussion über die Schlafmöglichkeit ist noch voll im Gange als ich zurück auf der Camping Area erscheine und auch als wir schon im Zelt liegen ist der Tumult nicht beendet.

Ich liege wach. Die Stimmen rauben mir den Schlaf als der Bus erneut anspringt und die Camp - Area verlässt um nur wenige hundert Meter weiter in eine andere Area einzubiegen. Lautes Durcheinander liegt wieder in der Luft. Selbst aus der Ferne lässt es kein Gedanken an Schlaf entstehen als plötzlich, ganz unerwartet, die Frauenstimme erklingt und ein eindeutig afrikanisches Lied in die Nacht schmettert. Wie auf ein magisches Zeichen verstummen die anderen Stimmen um kurz darauf in einem Chor einzusetzen. Plötzlich ist es da. Das ultimative Afrikafeeling. Der Sternenhimmel über dem Zelt wird von einem Choral an Stimmen durchzogen und wieder ist nicht an Schlaf zu denken. Aber diesmal weil ich es nicht möchte.

Elfi & Andy auf Africatour - http://africatour.ankimo.net - ankimo1@googlemail.com