Im Mokoro unterwegs

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Es war ein langer Tag im Mokoro. Das Lager ist aufgeschlagen und Elfi und ich wir beobachten das Geschehen vor unserem Lagerplatz. Wir sitzen auf einem Termitenhügel und lassen den Blick über das Delta schweifen. Die Sonne steht schon tief als ein neuer Vogelgesang durch die Luft zu uns dringt. Plötzlich knirscht hinter uns ein Ast. Ich wähne MD hinter uns und will ihn nach dem Namen des Vogels fragen. Keine 2 Meter hinter uns steht Borsti. Ein Warzenschweineber. Wir sind im Delta angekommen.

Während wir uns noch das Frühstück schmecken lassen hat MD schon das Mokoro gepackt. Wir durften ihm die Gerätschaften nur bis zum Mokoro tragen helfen. Denn Mokoro packen ist eine Kunst. 

Ein Mokoro ist ungefähr 30 cm tief und MD stapelt die Utensilien ca 70 cm hoch. Ganz oben liegt meine Kameratasche. "Was da drin ist, ist teuer", werfe ich salopp MD vor die Füße. "No problem. It is save", grinst er zurück. Er scheint schon mit so einer Bemerkung gerechnet zu haben. Ich lasse ihn also walten. Wir legen unser Leben in seine Hände wieso dann nicht auch das Kameraequipment. Außerdem ist es versichert.

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Wir passieren wieder den Kanal. Natürlich erst nach dem Hippocheck. Danach dauert es noch 15 Minuten und Elfi und ich wir haben keine Ahnung wo wir sind. 

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Während MD uns durch das Schilf stochert entdecken wir ständig neue Tiere. Frösche in allen Farben, Spinnen in allen Größen, Fluginsekten in allen Formen. Manchmal kommen die Krabbler näher als gewünscht und landen im Mokoro. Manche, wie die kleinen Gottesanbeterinnen, sind willkommen - andere, wie die großen Wespenspinnen , werden sanft wieder ins Schilf bugsiert. 

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Aber DAS Schilf gibt es eigentlich nicht. Es sind tausende kleine Biotope in den verschiedenes Leben vorkommt. Da gibt es Riedgras, Binsen oder normales Gras das einfach noch aus dem Wasser schaut. Manches Schilf ist grün das nächste ist orange. Manchmal gleiten wir sanft in offene Tümpel die gespickt mit Seerosen sind, oder sogar hier und da eine der wunderbaren Ground Lilies beherbergen.

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MD steuert uns ans Ufer. Es wird Zeit die Beine zu vertreten. Wir laufen ein Stück. Lesen spuren. Halten Ausschau nach Tieren. Wir treffen auf eine Warzenschweinfamilie. Die Mutter mit ihren drei Jungen ist auf Futtersuche. Wir schleichen uns langsam ran. Näher und näher. Jeder Schritt jede Bewegung ist kontrolliert. Der Geräuschpegel minimiert.

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Auf MDs Zeichen hin machen wir ein paar Bilder. Wir hätten nie gedacht das wir so nahe an die Tiere kommen. Das ist ein toller Moment. Dann gibt MD das Zeichen zum Aufbruch, aber nicht etwa von den Tieren weg, sondern wir gehen noch näher. Bis wir die Tiere fast berühren könnten. Sie fressen einfach weiter.

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Die Warzenschweine sind unbeeindruckt von uns. Ich frage MD ob ich mich hinknien kann. "Die machen nie etwas. Da ist noch nie etwas vorgekommen.", nickt mir MD zu. Ich gehe runter. Mache Bilder mit den Tieren auf Augenhöhe. Nach weiteren 10 Minuten haben sie mich umzingelt. Ich bin mitten zwischen der Sau und ihren Jungen und das obwohl ich mich nicht bewegt habe. Es gibt Momente in denen fühlt man sich mit der Natur verbunden. Das ist so einer.

Aber jetzt müssen wir weiter. Wir haben noch etwas Strecke im Mokoro zu machen. MD stochert uns tiefer ins Moremi Game Reserve - das ist der Nationalpark des Deltas. Hier werden wir unsere Zelte aufbauen und die nächsten Tage verbringen.

Wir sehen nicht viel, aber MD sieht gut. Er steht im Mokoro und kann das Gras um uns überblicken. In der Ferne sieht er einen Elefanten. Wir werden näher gestochert. Jetzt überlege ich ob das wirklich was bringt, denn wir sehen den Elefanten überhaupt nicht. Bis MD anhält und sagt, "Aufstehen. Ich halte das Boot.". Ich gebe die Aufforderung erstmal an Elfi weiter. Sie steht langsam auf. Mit jedem Stück das sie höher kommt wackelt das Boot mehr. Doch dann steht sie senkrecht und das Boot ist wieder stabil. 

Elfi beobachtet schon den Elefanten wie er im Schilf steht und frisst. Ich sitze noch im Boot. MD gibt ein kurzes, "Du auch. Aufstehen.", von sich, aber Elfi möchte sich erstmal hinsetzen. Als Elfi sitzt stehe ich auf. Elfi gibt ein kurzes, "Vorsicht", von sich, dann stehe auch ich senkrecht und das Boot beruhigt sich. Unglaublich wie stabil das Mokoro auf dem Wasser liegt.

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Man kann das Gurgeln des Wasser das er in seine Kehle spritzt bis hierher hören. Ein tolles Tier. Ein Berg von Lebewesen. Nach ein paar Bildern zieht er ab. Und auch wir stochern uns unseren Weg zu unserem Camp - Platz.

Wir treffen unterwegs noch auf etliche Vögel. Ein paar Sporengänse sitzen am Ufer. Als wir sie passieren starten sie unter lautem Protest in die Luft.

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Gerade als ich wiedermal eine Wespenspinne von meinem Hemd bugsiere verkündet MD, "Wir sind da. Hier werden wir die nächsten Tage campen.". Wir sehen einen Baum an dessen Stamm Termiten ihren Hügel gebaut haben. Ein Stück weiter eine Dickicht mit einem Loch in der Mitte. Hier bauen wir die Zelte auf. 

Ein Teil unserer Ausrüstung hat ein anderer Guide schon hier abgeliefert. Alles hatte MD nicht in sein Mokoro laden können. Tisch, Stühle, Zelte, Klo, Dusche, Kochutensilien so wie unser gesamtes Essen für die nächsten Tage waren etwas viel für ein Mokoro.

Wir helfen MD die Sachen aufzubauen. Es dauert eine Weile bis er akzeptiert das wir ihm helfen. Meistens muss er die Sachen alleine machen, während die Touristen rumsitzen. Ich bau mit Elfi die beiden Zelte auf während MD schon mal die Küche eröffnet. Danach bastle ich die Dusche zusammen und Elfi räumt die Zelte ein. MD will Wasser für den Tee besorgen. 

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Elfis und mein Blick folgen MD. Wir sind gespannt wo er das Wasser herholt. Er steigt in das Mokoro. Stochert in die Mitte des kleinen Seitenarms. Der Blecheimer sinkt ins Deltawasser. Landet im Mokoro. MD stochert zurück ans Ufer. Ich proste Elfi mit einer Handgeste zu und scherze, "Auf die Typhusimpfung.". Ich ernte ein "Hier macht man was mit" - Lächeln.

Mittlerweile brennt das Feuer und unser Wasserkessel brodelt vor sich hin. Der Rooibos - Tee - Beutel sinkt in das nicht ganz klare Wasser. Ich hau mir etwas Zucker dazu. Pusten. Pusten. Pusten. Sicherheitshalber noch etwas Pusten. Vielleicht puste ich die kleinen Bandwürmer, Erreger, Keime, Bazillen, Viren und die Fischexkremente mit hinweg. Dann schlürfe ich das Delta in mich hinein. Und siehe da. Es schmeckt richtig gut. Nach der ersten Tasse folgt die Zweite und Dritte. Auch Elfi hat ihre Anfangsskepsis überwunden und schon sind wir der Wildnis wieder etwas näher gerückt. Wir leben im und ernähren uns vom - Okavango Delta .

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Und während wir den "Okavango Whiskey" genießen entdecken wir das erste Mal Borsti. Der große Warzenschwein - Eber lässt sich durch uns nicht stören. Er umrundet das Camp ein paar mal auf der Suche nach allerlei schmackhaften. Solange wir hier sind muss er sich keine Gedanken um Löwen machen. Das findet er gut.

Teatime ist beendet und wir packen noch einmal unsere Sachen. Wir erkunden unsere Insel. Ein kleiner Mokoro - Trip an die andere Seite, dann geht es wieder zu Fuss weiter. Diesmal entdecken wir gleich ein paar Zebras. Die Tiere flüchten ein paar Mal, dann können wir näher und näher kommen. Jetzt trennen uns keine 30 Meter mehr. Die Tiere entspannen sich. Wir fangen an Bilder zu machen.

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Auf dem Rückweg im Mokoro ist die Wasseroberfläche wie ein Spiegel. Wir machen einige Bilder. Man kommt sich vor, als würde man im Himmel fahren. 

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Während wir auf Tour waren hat ein zweiter Guide frisch aus dem Delta gefangenen Fisch mitgebracht. Es sind 4 Stück. Ein Tilapia und 3 Bream. Die werden gleich auf dem Feuer landen.

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MD gräbt eine kleine Grube und schlägt etwas Glut von unserem Feuerholz ab. Danach wird die Grube mit der Glut gefüllt. Die Fische landen in einem klappbaren Rost darüber. Dazu legen wir in Alufolie eingewickelte Butternuts (Kürbis) und Kartoffeln in das Feuer. Im Kessel kocht frisches Wasser.

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Während das Essen brutzelt gehen Elfi und ich zurück ans Wasser. Machen ein paar Bilder und wollen den Sonnenuntergang genießen.

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Zwischendurch verwechsele ich Borsti mit MD (s.o.). Als die Sonne endgültig den Horizont berührt sind wir wieder am Feuer. Jetzt kommen die Mosquitos. Da sitzt man besser nah an den Flammen. Und nur zögerlich und unfreiwillig verlassen wir das Ufer. Wir genießen die Millionen Geräusche des Sonnenuntergangs. Das Klicken der Frösche, das Surren der Insekten, das Quaken der Kröten und das Gejaule der Schakale die irgendwo da draußen miteinander kommunizieren.

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Wir holen das Gemüse aus dem Feuer und erlösen den Fisch aus dem Grillrost. "Okavango Whiskey" landet in unseren Tassen. Schmatzen und schlemmen setzt ein. Wir schlemmen, MD schmatzt. In seiner Kultur ist das OK so. Wir können auch damit leben. Alles passt.

Jetzt nötigen wir MD noch ein paar Lagerfeuer - Geschichten auszupacken. Er erzählt von Babies die von Hyänen entführt worden sind und einem Löwen der eine "White Lady" im Schlafsack vom Lagerfeuer ins dunkel der Nacht gezerrt hat. Und plötzlich ertönt es. Der Ruf Afrikas. Der Herrscher der Savanne fordert seinen Thron. Der Löwe. Er brüllt. Und es hört sich sehr nah an. Erst aus der einen, dann aus der anderen Richtung. MD schlürft seinen Tee. Dann zeigt er auf zwei Inseln die wir uns im dunkeln nur vorstellen können. "Zwei verschiedene Rudel. Auf verschiedenen Inseln.", erklärt er. Immer noch im Flüsterton der Lagerfeuergeschichten.

Aber jetzt wird es Zeit den Tag zu beenden. Morgen wollen wir sehen ob wir die Löwen ausfindig machen können. Wir waschen unser Geschirr im Wasser des Okavango und ziehen uns zurück in unsere Schlafsäcke. Doch die Geiseln des Delta finden uns. Mosquitos. Überall im Zelt. Wir lynchen dutzende von Ihnen. Aber es werden immer mehr. Irgendwann gebe ich auf. Ich greif zu unserer Chemiekeule und schmiere mich mit Nobite ein. Elfi wehrt sich noch eine Weile. Gegen Chemiekeule genauso wie gegen Mosquitos. Dann folgt Schlaf. Mitten in der Nacht lässt die Wirkung des Mittels nach. Die Jäger wittern ihre Chance. WIr sollen es erst morgen früh merken.

Elfi & Andy auf Africatour - http://africatour.ankimo.net - ankimo1@googlemail.com