Im Okavango Delta

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Leise gleitet das Mokoro durchs Wasser. Unter uns wird es tiefer. Trotz des klaren Wassers kann man den Grund nur erahnen. Wir sind kurz davor einen Hauptkanal zu passieren. MD hält kurz an. Er lauscht nach dem Schnauben von Nilpferden. Doch nichts dringt an unsere Ohren. Die Stange gleitet wieder ins Wasser und stößt das Mokoro vorwärts. Sofort wird es von der Strömung erfasst und seitlich abgetrieben, aber MD hatte das schon einkalkuliert. Kein 10 Sekunden später tauchen wir auf der anderen Seite des Kanals in das Schilf ein. Diese friedvolle Stimmung ist so unwirklich. Bedenkt man das wir heute morgen noch im geschäftigen Maun waren.

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Ich mache noch ein Foto vom blauen Klaus. "Wer weiß ob er noch da ist, wenn wir wiederkommen.", scherze ich zu Elfi. "Ich würde lieber den Landrover klauen anstatt unseren altersschwachen Klaus.", bekomme ich als Antwort. Aber auch Elfi lässt ihn nicht gerne hier am Airport stehen. Der Parkplatz ist zwar eingezäunt, aber anscheinend nicht bewacht.

Mit schwerem Gepäck latschen wir in Richtung Delta Air. Die Frau am Schalter grüsst uns freundlich und schreibt uns unsere Tickets. Auf einem Abreisblock schreibt sie unsere Namen und die Flugstrecke. Danach lassen wir unser Gepäck zurück und gehen im Cafe eine Cola trinken.

Pünktlich zurück bei der Airline werden wir schon von einem ihrer Mitarbeiter empfangen. Er wird uns zum Flugzeug bringen. Wir laufen in der Abflughalle des Airports ein. Ich hatte nicht gedacht, dass unser Gepäck durch eine Sicherheitskontrolle muss, aber wir werden genauso gefilzt wie auf einem normalen, internationalen Flug. 

Als Abenteurer habe ich natürlich ein Messer dabei. Man weiss nie wann man einen Apfel oder ähnliches Schälen muss um sein Überleben zu sichern. Wir schmuggeln das Ding durch die Sicherheitskontrolle. In Afrika funktioniert nichts, aber alles geht. 

Kurz darauf stehen wir am Rollfeld. Vor uns das Flugzeug. Es wird noch mit Zwiebeln und anderen Fressalien beladen. Danach dürfen wir einsteigen. 4 Sitze hat unser Jet. 

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Unser Pilot ist Neuseeländer und ein lustiger Kerl. Wir bekommen unsere Sicherheitseinweisung, dann heben wir ab. Nach einigen Minuten sind wir über dem Delta. Ein riesiges Überschwemmungsgebiet breitet sich vor uns aus. Aus der Luft kann man immer wieder kleine Inseln ausmachen. 

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Aus der Luft kann man die verschiedenen Formen der Inseln erkennen. Elfi sieht einen Elefanten der durchs Wasser zieht. Leider zu weit unter dem Flugzeug um durch die Scheibe noch ein Foto machen zu können. Die Inseln sind durch unzählige Linien im Schilf verbunden. Das sind Nilpferd und Elefantenpfade. Unglaublich wie viele es von ihnen gibt.

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Dann geht das Flugzeug langsam runter. Man kann noch nichts sehen. Da. Auf einmal - eine Sandpiste auf einer der Inseln. Ein wenig holpern und wir sind gelandet. Am Flugfeld steht eine Afrikanerin und ein Afrikaner. Beide heißen uns herzlich willkommen. Es ist Joyce, die Lodgemanagerin und MD (sprich Em Die) unser persönlicher Guide für die nächsten 5 Tage.

MD bringt unser Gepäck zu unserem Zelt. Joyce zeigt uns das Camp. Danach gibt es erstmal Tee. Wir verarbeiten das Gesehene.

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Das Camp liegt direkt am Wasser. Wir können die Nilpferde hören. Unser Zelt ist auf Stelzen gebaut. Daneben unsere Dusche, Toilette und unser Waschbecken. Geduscht wir mittels Eimerdusche. Das heißt das Wasser wird in einen Eimer gefüllt und anschließend mittels Flaschenzug in die Höhe befördert. Wenn es hoch genug gezogen wurde kann man den Hahn aufdrehen und das Wasser kommt aus dem Duschkopf. Das Alles natürlich unter freiem Himmel.

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Unser Waschbecken ist an einen Baum genagelt. Genauso wie der Spiegel dazu.

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Zum Lunch gibt es eine Pizza. Allerdings genau eine für 4 Personen. Joyce und MD essen mit uns. Die Pizza ist super. Allerdings habe ich danach mehr Hunger als vorher. Da trifft es sich gut das wir mit MD unsere erste Mokoro Expedition vor uns haben. Wir machen einen kurzen Schnupperausflug. Auf große Tour geht es erst morgen.

Das Mokoro ist ein Einbaum und wie der Name es schon sagt wird das Boot nur aus einem Baum hergestellt. Hier im Okavango benutzt man dazu den Sausage Tree. Einen Baum dessen Früchte an riesige Leberwürste erinnern. Der Baum wird an den Wurzeln gefällt und danach entastet und entrindet. Der Baumstamm wird für eine Woche im Wasser versenkt. Das macht ihn stabiler. Jetzt wird mit einem Beil die Form herausgeschlagen. 2 Monate dauert die Herstellung bis zum fertigen Boot.

Wir setzen uns in MDs Mokoro. Er steht am Ende des Bootes. Mit einer langen Stange stößt er es in Richtung Kanal. "Bevor wir den Kanal überqueren müssen wir erst eine Pause machen.", erklärt MD. "Eventuell sind dort Hippos unterwegs. Aber die machen Geräusche, wenn man lange genug wartet.", fährt er fort. 

Im Schilf steuern wir eine Insel an. Hier wollen wir eine Runde wandern gehen. Als das Mokoro am Ufer aufsetzt betreten wir die Insel. 

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MD zeigt uns einen Sausage Tree. Wir schauen uns die Früchte an und Elfi macht ein Bild. Danach folgt die Sicherheitsanweisung. Im wesentlichen die Gleiche wie bei Jaque im Krüger Nationalpark bis auf die Tatsache das MD keinerlei Waffe dabei hat. "Bei Löwen bleiben wir einfach stehen.", gibt MD vor und fügt dann hinzu, "Wenn wir ihnen einfach so begegnen werden sie schnell abhauen. Aber erwischen wir sie an ihrem Kill, dann werden sie uns angreifen.". Stille. Elfi und ich schauen uns an. MD fährt fort, "Solange wir auch da stehen bleiben wird uns nichts passieren. Die Löwen werden ein riesen Lärm machen und dann ca 1-2 Meter vor uns eine Vollbremsung einlegen. Danach flüchten sie.". Wir hoffen die Löwen kennen den Ablauf.

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Danach geht die Wanderung weiter. Wir lesen Spuren und Hinterlassenschaften von Tieren. MD zeigt uns eine Pflanze gegen Mosquitos und er erklärt uns warum alle Termitenhügel an der Spitze in Richtung Norden zeigen.

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Anschließend geht es zurück ins Camp. Zum Dinner gibt es Lasagne. Diesmal muss keiner Hungern. Mit vollem Bauch genießen wir den Sonnenuntergang. Morgen geht es los. Da ziehen wir mit Zelt und allem drum und dran mit dem Mokoro ins Delta. Mal schauen was da auf uns zukommt....

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Elfi & Andy auf Africatour - http://africatour.ankimo.net - ankimo1@googlemail.com