Kein Simbabwe

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Das fette Grinsen und die Unverschämtheit haben das Fass zum überlaufen gebracht. Wir verlassen den Grenzübergang nach Simbabwe und fahren zurück nach Botswana. Doch auch da wartet Ärger.

Früh morgens geht es los. Wir haben so tief geschlafen, dass wir nicht einmal gemerkt haben wo der frische Elefantenhaufen der keine 5 Meter von unserem Dachzelt liegt herkam.

Wir wollen nach Simbabwe, aber nur für einen Tag. Dort schauen wir uns die Victoria Wasserfälle an. Direkt hinter Kasane liegt der Grenzübergang. Auf botswanischer Seite geht alles glatt. Wir haben offiziell Botswana verlassen und fahren in Richtung Simbabwe. 

Am Grenzübergang angekommen steigen wir aus. Das kleine Häuschen mit dem kleinen Schalter hat zwei Türen. Aus beiden steht eine Schlange von Menschen heraus. Wir wissen das wir mindestens 1.5 Stunden für den Grenzübergang rechnen müssen, aber hier sieht es nach noch länger aus.

Wir besorgen uns erstmal die nötigen Formulare. Fangen an den Kram auszufüllen. Wie alt der blaue Klaus wohl ist ? Ich schreibe Baujahr 1998. Das ist bestimmt noch geschmeichelt. Fahrzeugnummer. Fahrgestellnummer. Motornummer. Herstellerland. Motorisierung. Ich wollte die Karre eigentlich nicht adoptieren. Nur an die Victoria Wasserfälle fahren. 

Erstmal besorgen wir die Visa. Wir bezahlen in US - Dollar und haben keine 2 Minuten später den Stempel im Pass. Damit sind wir eingereist.

Ein "Grenzbeamter" hilft uns noch beim Ausfüllen der Papiere um den Zoll zu erledigen. Der Kerl stand hier einfach neben der Schlange, er ist ziemlich höflich und vielleicht war das der Zeitpunkt langsam misstrauisch zu werden. Am Ende der ganzen Ausfüllaktion will der Kerl auf einmal Geld. Mit dem Gedanken das ich das auch will ignorier ich ihn.

Am Schalter angekommen ignoriert der Beamte (hinter dem Schalter) das Formular und will nur einige der Angaben die ich schon unnötigerweise ausgefüllt hatte in seinem eigenen Formular angegeben haben. Das füllt er auch freundlicherweise für uns aus.

Wir bezahlen Straßengebühr, Versicherung und weitere Gebühren und fragen den netten Beamten ob das alles war was wir bezahlen müssen. "Das war alles.", gibt er zurück und wir gehen zum blauen Klaus. Wir steigen ein. Fahren zum Übergang. Ein Grenzbeamter nimmt uns in Empfang. Schaut unsere Papiere durch. Will uns schon durchwinken. Da kommt der Kerl von der Schlange von hinten an. Murmelt was. Der Grenzbeamte stoppt uns. Er schaut sich die Papiere erneut an. Ich hake nach, "Stimmt was nicht ?". Er  antwortet, "Sieht alles gut aus, aber der Chef kommt gleich.". Elfi schaut zu mir rüber. Ich schaue zu ihr. Das riecht nach Ärger.

Mittlerweile hatten wir schon 100 USD bezahlt und wir wussten das dies ungefähr den regulären Kosten des Grenzübergangs entspricht. Da kommt der Chef. "Ihr müsst hier nochmal 50 USD bezahlen. Für die Versicherung.", murmelt der Kerl. "Wir haben schon Versicherung bezahlt.", gebe ich zurück. Der Grenzbeamte hat sich mittlerweile verdrückt. Uns scheint er wolle nichts mit der Sache zu tun zu haben. Und da -  genau in diesem Moment. Da war es. Das fette Grinsen der beiden Grenzbeamten. Wir hatten das schon zweimal 2007 in Südafrika erlebt. Auch da sollten wir das kleine "Extra" bezahlen. Der Staat bezahlt hier unten seine Beamten sehr schlecht. In der Regel sind sie froh etwas zu essen zu haben. Lehrer z.B. schwänzen hier die Schule, weil es ihnen die paar Kröten nicht wert sind aufzustehen. Und jetzt. Zwei Grenzbeamte. Beide keine Kohlen in der Tasche, aber beide mindestens 20 kg Übergewicht. Ihren Speck verdienen die sich auf andere Art und Weise. (Anm. d. Red.: Der Autor war auch nach langem Gespräch nicht dazu zu bewegen diesen Kommentar zu entfernen. Er sieht diesen Kommentar als künstlerisch, schreibtechnischen Weg um seinen Unmut (Zorn) auszudrücken. Beschwerden bitte an nobody@nowhere.com.)

Elfi und ich wir beratschlagen uns kurz. Elfi hasst das genauso wie ich. Kein langes Gezeter. Wir drehen um. Das Grinsen zerfällt in Sekunden. Der blaue Klaus fliegt in Richtung Botswana. Die Ausreiseformalitäten lassen wir mal sein.

Am Grenzübergang nach Botswana angekommen treffen wir wieder auf den gleichen Grenzbeamten, der unsere Ausreise abgehandelt hatte. Er kann sich an uns erinnern. Er fragt warum wir schon wieder hier sind und ich erkläre ihm die Situation. Doch statt Verständnis zu zeigen wittert er Betrug. Er möchte unsere Einreisepapiere von Martin's Drift sehen, dem Grenzübergang über den wir vor 2 Wochen nach Botswana eingereist sind. Jetzt vergeht uns das Grinsen. Ich wühl durch meinen Geldbeutel. Normalerweise stecke ich alles wichtige da rein. Nichts. "Was passiert wenn wir den Zettel nicht mehr haben ?", erkundige ich mich zögerlich bei dem Grenzbeamten. "Kein Problem. Ich brauch nur den Zettel.", gibt er zurück. Ich durchwühl den Geldbeutel noch etwas schneller. Elfi zieht mir den Autoschlüssel aus der Hosentasche. Sie will mal im Auto nachsehen. 

Im Geldbeutel sind die Papiere sicher nicht. "Ich glaube nicht das wir den Zettel noch haben.", gebe ich an den Grenzbeamten. "Kein Problem. Ich brauch lediglich den Zettel.", gibt er zurück und kommt aus seinem Schalter. Gemeinsam gehen wir auf den Parkplatz wo Elfi, sichtlich mit Hektik, den blauen Klaus "rund" macht. "Hier ist nichts.", sagt Elfi zu mir. "Wir suchen noch.", sage ich dem Grenzbeamten. "Ich brauch lediglich den Zettel.", sagt der und geht zurück ins Gebäude. 

Wir kramen den gesamten Klaus um. Holen die Koffer raus. Nichts. Mit gesenktem Haupt schreite ich auf die Schlachtbank wo schon der Grenzbeamte wartet. Elfi räumt alles wieder ein. "Wir finden den Zettel nicht.", gebe ich über den Schalter. Der Beamte rückt näher. Er schaut mich an. "Fahrt !", flüstert er rüber, "... aber lasst euch nicht von der Polizei erwischen. Wenn irgend etwas passiert, dann wollen die den Zettel sehen.". Dann rollt er auf seinem Bürostuhl einen Meter zurück. "Danke.", gebe ich zurück. Mehr war nicht drin, denn meine Beine sind schon mehr oder weniger auf dem Weg zum blauen Klaus. Elfi macht gerade die Heckklappe zu. "Steig ein.", schiebe ich sie an. "Warum ?", fragt sie. "Der lässt uns fahren.", schiebe ich hinterher während sich der Zündschlüssel wie von selbst rumdreht. "Wie jetzt ?". fragt Elfi. "Egal wie. Erstmal weg.", ist meine kurze Antwort. Dann verlassen wir den Grenzposten mit Vollspeed. 

Kurz hinter dem Grenzposten erzähl ich Elfi alles. "Ouuh Mann.", kommt von ihr rüber, "... Afrika.". Erleichterung macht sich breit. Was jetzt. "Ich brauch eine Dosis Chobe", grinst Elfi. Das erste schöne Grinsen am Tag und ich antworte, "OK. Ich auch.".

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Keine 15 Minuten später haben wir das Sidudu Gate wieder hinter uns. Das Adrenalin legt sich langsam wieder während wir vor einer Gruppe Geier stehen. Wir beobachten die Tiere eine Weile. Danach Elefanten, Krokodile, Vögel, Giraffen und Paviane. Am Ende verlassen wir den Park wieder an der Westseite. Hier soll es einem Campingplatz geben. Wir starten die Suche, aber nach langem Suchen stellt sich heraus, dass der Campingplatz einer Lodge gewichen ist. Wir fahren zurück nach Kasane. Zu unserem Campingplatz Nummer 2. 

Der Holländer ist noch da. Er hat die Victoria Wasserfälle gesehen. Er war über Zambia anstatt Simbabwe gefahren. Mit dem blauen Klaus dürfen wir leider nicht nach Zambia. Naja. Victoria Wasserfälle gibt es wohl erst bei der nächsten Tour wieder.

Nach einem Abend an der Bar mit Fussball und Windhoek Lager schlafen wir auf Campingplatz Nummer 2, im Dachzelt des blauen Klaus, langsam ein. Offiziell in Simbabwe, illegal in Botswana und eigentlich nach Namibia wollend....

Elfi & Andy auf Africatour - http://africatour.ankimo.net - ankimo1@googlemail.com