Kgalagadi und kaputte Reifen

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Elfi sichert das Gelände während ich mit Karamba - Spray die Muttern des Reifens bearbeite. Der Reifen hatte schon am Fischriver - Canyon einen kleinen Riss erlitten. Er stand unter unserer Beobachtung, aber das er genau hier platzen musste, konnten wir nicht ahnen. Ein 5 Zentimeter großes Rechteck hat sich aus dem Reifen geschält und nun klemmen die Radmuttern. Sollten uns hier die Löwen fressen, dann sind es wenigstens die Hübschen. Den die Löwen der Kalahari haben im Gegensatz zu anderen Löwen keine Narben im Gesicht. Hier gibt es nämlich keine Dornenhecken. Aber so etwas wissen nur Naturfotografen.

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Heute morgen standen wir noch pünktlich zur Öffnungszeit am Parkgate. Hier holt man seinen Permit ab und kann damit in den Park fahren. Der erste Teil der Strecke war sehr unspektakulär. Im Konvoi sind wir die ersten Kilometer im Staub unserer Vorgänger in Richtung Norden gezogen. Unser Ziel ist heute das Nossob Camp am gleichnamigen Fluss. 

Doch irgendwann verliert man sich in der Weite und ehe man sich versieht ist man weit und breit der einzige der unterwegs ist. Elfi fährt wieder, da kann ich in Ruhe fotografieren und Elfi hat ihren Spass am Geländefahren. 

Plötzlich höre ich durch das offene Fenster ein leises - Flapp, Flapp, Flapp. Ich schaue nach hinten und sehe das der Reifen geplatzt ist. Elfi hält an. Mitten im Nationalpark. Im Land der schwarzmähnigen Löwen.

Wir steigen aus. Elfi hält die Umgebung im Auge. Einige Vögel sind unterwegs ansonsten ist hier nichts zu sehen. Ich suche das Radkreuz und den Wagenheber hinter dem Rücksitz heraus und schaue mir die Sache mal genauer an. Ich sehe das ein Stück aus dem Reifen gebrochen ist. Der Mantel ist Müll, da kann man auch nichts mehr flicken. Von den sechs Radmuttern geben zwei im ersten Versuch auf, die anderen vier leisten erfolgreich Widerstand. Ich bekomme sie nicht los. In der Mittelkonsole liegt eine Dose Karamba. Das ist Rostlöser und Schmiermittel zugleich. Ich ersäufe die Radmuttern mit dem guten Mittelchen und warte einige Minuten. Ich versuche erneut die Muttern zu lösen. Nichts. Ich steige wieder auf Radkreuz und wippe und wippe und wippe. Doch was im Fishriver - Canyon funktioniert hat, dass versagt hier. 

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Ich versuche eine neue Methode. Ich steige mit dem linken Fuss auf das Radkreuz und klemme den rechten Fuss unter die gegenüberliegende Seite. Jetzt lasse ich mich nach links fallen. Klappt. Eine nach der anderen Radmutter löst sich. Der Rest ist "Same procedure like every year" - Ersatzrad aus dem Kofferraum, aufstecken, Muttern anziehen, Wagenheber runterlassen, erneut Muttern nachziehen und alles wieder einräumen.

Auf dem Weg zum Nossob - Camp treffen wir noch auf zwei afrikanische Wildkatzen. Die eine war gerade dabei sich an ein paar Borstenhörnchen anzuschleichen. Die Tour haben wir ihr leider vermasselt. 

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Im Nossob - Camp machen wir erstmal Mittag. Es gibt Brötchen mit Wurst und eimerweise Chutney. Die Borstenhörnchen - Kolonie die hier lebt kennt keine Scheu. Während dem Essen sind wir umzingelt von neugierigen kleinen Nagern.

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Wir genießen das Treiben der ewig beschäftigten Tierchen und machen etliche Fotos.

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Auf dem Rückweg fahren wir in eine Herde Springböcke. Die Tiere haben sich mitten auf der Straße versammelt. Langsam und gemächlich laufen sie von der Straße. In ihrer Mitte halten wir an. Das scheinen sie gewöhnt zu sein.

Die Männchen kämpfen miteinander. Wir beobachten das Treiben. Immer wieder nehmen Tiere anlauf und hauen ihre Köpfe gegeneinander. Danach versuchen sie sich gegenseitig nach hinten zu schieben. Solange, bis einer von beiden in großen Sätzen flüchtet. Ein stolzer Sieger bleibt zurück.

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Es wird spät. Das Gate schliesst bald. Wir fahren zügiger um noch vor Torschluss wieder im Camp zu sein. Die Tour heute war eindeutig zu weit. Morgen wollen wir es gemütlicher angehen lassen - nicht ganz so weit fahren.

Die Räume des Chalets sind sehr hoch. Es ziehen sich Balken an der Decke entlang. Über uns kann man das Strohdach sehen. 

"Ich hab da irgend etwas auf dem Balken gesehen.", erzählt mir Elfi als ich aus der Dusche komme. Mit einem Finger zeigt sie auf die Balken über uns. "Es hatte einen braunen Rücken", fügt sie hinzu, aber wir bekommen es nicht mehr zu sehen. Es fiept die ganze Nacht, wie eine Fledermaus. Wir akzeptieren unseren Untermieter einfach und krümeln uns unter die Decken. In der Kalahari wird es nachts bitterkalt. Selbst hier im Chalet....

Elfi & Andy auf Africatour - http://africatour.ankimo.net - ankimo1@googlemail.com