Kolmanskuppe - Die alte Geisterstadt

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Die Truppen brauchen Nachschub. Der Krieg der Deutschen gegen die Nama erfordert eine bessere und schnellere Versorgung. Eine Eisenbahnlinie von Lüderitz ins Hinterland soll die Lösung sein. Während den Gleisarbeiten findet einer der Arbeiter einen Stein. Strauch, der Leiter der Arbeiten, erkennt den Diamanten. Der Grundstein zu Kolmannskop wurde gelegt.

Wir liefern unseren "Blauen Klaus" bei Plietz ab. Zu Fuss geht es zurück zur Pension "Zur Waterkant". Wir warten auf William. Er ist Führer in Kolmanskop und wird uns mit raus nehmen. Mit in die alte Geisterstadt die in Zeiten des Diamantenabbau boomte.

William hat dunkle Haut und eindeutig europäische Gesichtszüge. Er weiss eine Menge über die Geschichte von Lüderitz und Umgebung und teilt sein Wissens schon auf der Fahrt mit uns. Er arbeitet schon immer im Bereich Tourismus, aber hat schon Orte wie Kapstadt und den Caprivi - Zipfel hinter sich gelassen. "Caprivi ist schön - sehr schön, aber ich wollte meine Familie öfters sehen ... da hab ich den Job in Lüderitz angenommen", erzählt er uns während er sein Auto über die Schotterstraßen Lüderitzes lenkt. "Aber wenn meine Tochter 13 ist, dann schicke ich sie auf eine private Schule nach Swakopmund.", grinst er uns an. Ein Mann mit Idealen und Zielen.

Wir biegen von der Hauptstraße nach Kolmanskop ein. "Ihr müsst die Führung unbedingt mitmachen", sagt William begeistert, "Danach könnt ihr euch frei bewegen. Ich hab dann noch eine zweite Führung und danach nehm ich euch wieder mit zurück.". Am Eingang zahlen wir das Permit und stöbern durch den Touristenladen im Haupthaus. 

Pünktlich beginnt die Führung und wir treffen im alten Kasino wieder auf William. Eine Masse von Menschen nimmt an der Führung teil, wie wir sie seit Tagen nicht mehr gesehen haben. Etwas ungewohnt tapsen wir im Pulk der Masse mit. Die Führung dauert nicht lange ist aber sehr interessant. 

Es ist Ostwetter. Heiß. Schwül. Staubig. Die Flaschen leeren sich etwas schneller als sonst und teilweise müssen wir uns den Sand aus den Augen reiben. Im kleinen Cafe nehmen wir erst noch eine Coke zu uns bevor wir ans fotografieren gehen. Wir haben noch zwei Reisende aus München mit am Tisch. Wir tauschen Infos aus und gleichen Reiseberichte ab.

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Es zieht uns in die alten Gebäude. Lehrer -, Metzger-, Bäcker- und Eismacher - Häuser. Kolmanskop ist eine kleine eigene Stadt. Hier haben die Menschen auf dem Bauch liegend nach Diamanten gesucht. Kein Bergbau, sondern mit bloßen Händen. Sie hatten dabei Tücher vor dem Mund, damit sie keine Diamanten verschlucken konnten.

Mal abgesehen von der Drecksarbeit hatten es die Menschen allerdings gut. Sie wurden gut versorgt und bekamen für damalige Verhältnisse einen guten Lohn. Allerdings durften sie Kolmanskop für zwei Jahre nicht verlassen. Danach mussten sie gehen.

Die Versorgung wurde gestellt. Jeden Tag gab es einen Block Eis, Wurstwaren und Brote. In der Kantine wurde jeden Tag für über 380 Menschen gekocht. Trinkwasser wurde angekarrt. 

Sogar ein Krankenhaus existierte. Es war eines der fortschrittlichsten im damaligen, südlichen Afrika. Es gab sogar einen Röntgenapparat. Der wurde allerdings mehr genutzt um eventuellen Diamantendiebstahl aufzudecken.

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Über mir ist der freie Himmel. Unter mir fehlen die Dielen. Ich stehe auf einer Querbohle in einem Haus das sich die Wüste gerade wieder einverleibt. Der Sand kommt durch die Fenster ins innere, alte Farbe perlt von den Wänden.

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Hier hat die Natur gesiegt. Sie holt sich zurück was einst von Menschen umgestaltet wurde. Im Keller des Haupthauses gibt es eine Kegelbahn. Auf einem Schild an der Wand steht das Wappen des Kegelclubs der damaligen Zeit. Darunter das Datum - 4. Juni 1927.

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Wir warten noch auf William. Minute Maid - Saft bringt wieder Flüssigkeit in die Adern. Käsemuffins mit Gelee und extra Käse treibt die Kraft zurück in die Beine. Die Hitze hier draußen ist anstrengend. Nichts im Gegensatz zu den im Dreck liegenden Arbeiter, aber für uns schickt es.

Zurück in Lüderitz wollen wir den "Blauen Klaus" bei Plietz abholen. Das Tor ist verschloßen. Über die Mauer kann ich einen Mann im Hof sehen. Er hat sein Handy am Ohr. Ich rufe ihn und klopfe aber keine Reaktion. Nach einigen Minuten kommt Plietz um die Ecke. Der Wagen wird heute nicht mehr fertig. Der Mann mit dem Handy heißt Helmut. Er hat vor einer Viertelstunde erst die Ersatzteil vorbei gebracht. Es ist mittlerweile 18 Uhr. Zeit zum Fischessen gehen. Erstmal wieder zu Fuß...


Elfi & Andy auf Africatour - http://africatour.ankimo.net - ankimo1@googlemail.com