Leoparden und Hyänen - oder nicht ?

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Das Peilgerät piept. Die Tiere müssen ganz nah sein. Irgendwo vor uns am Berg. Unser Tracker schwingt die Antenne hin und her. Er hört - ja lauscht in das Rauschen um zu sehen aus welcher Richtung der Piepton am lautesten ist. Unglücklicherweise ist die Richtung ungünstig. Das Gestrüpp zu dicht, zu nah am Berghang - dorthin können wir den zwei Leoparden nicht folgen.

Martin hat uns am Campingplatz abgeholt. Wir hatten uns den Wecker gestellt und schon die Wäsche von gestern wieder abgehängt als er mit seinem Tracker und dem Geländewagen um die Kurve kommt. Wir wollen heute morgen Leoparden tracken. Heute Mittag machen wir das Gleiche mit Hyänen.

Wieder fahren wir durch ein Gate und Martin schaltet das Peilgerät an. Eine Frequenz nach der anderen tippt er in das Gerät ein, dann schwingt er die Antenne hin und her. Danach übergibt er das Gerät an den Tracker und er übernimmt den Job während Martin fährt. Kein Signal. Bis jetzt.

Plötzlich ein schwaches Signal von einem der Weibchen. Sie zieht am Berg entlang. Wir können ihr nicht folgen. Martin weißt den Tracker an die Frequenz zu wechseln und nach einem anderen Tier zu schauen. Kaum ist umgeschaltet haben wir erneut ein Signal. Aber wieder aus der gleichen Richtung. Die beiden scheinen zusammen zu sein. "Das kann nur bedeuten das sie sich Paaren.", erklärt Martin, "Ansonsten sind sie strikte Einzelgänger.". Aber das heißt auch das wir weder dem einen noch dem anderen folgen können. "Wir suchen nach TJ. Vielleicht können wir ihn finden.", bemerkt Martin und der Tracker wechselt die Frequenz erneut. 

Wir sind nun schon eine ganze Weile unterwegs, aber auf dem großen Gelände können wir TJ nicht ausfindig machen. TJ ist das andere Leopardenmännchen in diesem Gebiet. Nebenbei wechselt der Tracker ab und zu die Frequenz.

Plötzlich ein piep. "Das ist eine der Hyänen die wir heute Nachmittag suchen werden.", ruft Martin zu uns nach hinten, "Dann werden wir nachher hier anfangen nach ihnen zu suchen.". Dann wechseln wir wieder zu TJ. Aber TJs Frequenz bleibt still. Martin wird langsam nervös. "Wir sollten vielleicht mal schauen ob die anderen beiden die Position gewechselt haben.", schlägt Martin vor und lenkt den Geländewagen an den Platz wo wir die beiden vor Stunden anpeilen konnten. Wir bekommen ein Signal und fahren ein Stück weiter. "Das Halsband schaltet sich bald ab .... um Strom  zu sparen. Wir müssen uns beeilen.", drängt Martin und ist sichtlich noch nervöser. 

Wir können die beiden noch einmal anpeilen, aber sie sind zu tief im undurchdringlichen Gebüsch. Martin bricht ab. Keine Leoparden heute morgen. 

Etwas betrübt fahren wir zurück und Martin scheint das zu bemerken. "Heute mittag hole ich euch etwas früher ab. Wir schauen noch einmal nach den Leoparden bevor wir die Hyänen suchen. Ist das Ok ?", schlägt er vor und wir stimmen ein. Das ist eine gute Idee. Martin nimmt eine Abkürzung aus dem Gehege und wir passieren eine Falle. "Was ist das für eine Falle ?", fragt Elfi. "Ihr habt auf dem Gelände vom Campingplatz einen wilden Leoparden. Der patrouilliert dort seit einigen Tagen. Wir wollen ihn nicht bei den Touristen haben. Deshalb fangen wir ihn und siedeln ihn um.", antwortet Martin. "Ist das ein Pferdeschädel in der Falle ?", frage ich. Martin nickt, "Die bekommen wir aus Otjiwarongo.". "Gestern nacht haben die Paviane am Campingplatz über Stunden einen Höllenlärm gemacht. Könnte der Leopard der Grund dafür gewesen sein.", hake ich nach. "Leoparden jagen gerne Paviane. Das ist sehr gut möglich", gibt Martin zurück. "Dann hätten wir das geklärt", fügt Elfi hinzu.

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Wir kommen an unserer Campsite an.Kaum sind wir vom Geländewagen gesprungen, da faucht auch schon der Gaskocher. Es wird Zeit etwas zu essen. Der Leopard und die Paviane sind noch unser Gesprächsthema.

Während Elfi in der Sonne brutzelt lese ich im Buch etwas über die Tüpfelhyänen. Tüpfelhyänen sind gegenüber Menschen nicht aggressiv. Wenn wir nachher welche Tracken können, dann werden wir aussteigen und zu Fuss nach ihnen suchen. Wir freuen uns schon darauf.

Wir haben gerade alles zusammengepackt als Martin schon um die Ecke biegt. Das gleiche Spiel wie heute morgen beginnt. Wir passieren das Gate in das Gelände der Hyänen und Leoparden. Martin peilt. Wir haben wieder Signal von den beiden Leoparden. "Sie sind noch zusammen.", bemerkt er und fährt in Richtung des Signals. Jetzt übernimmt unser Tracker wieder den Job.

Martin hat ihn zu erst gesehen, danach Elfi und ich brauchte eine Weile. Oben auf einem kleinen Hügel liegt das Männchen. Wie der Herrscher über dieses Areal thront er dort oben und beobachtet seine Untertanen. 

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Leoparden sind eine der wenigen Tiere bei denen die Weibchen sich die Männchen aussuchen. Wenn das Weibchen rollig wird, dann sucht es das Männchen auf. Die beiden bleiben dann einige Tage zusammen. Dann trennen sie sich wieder.

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Für eine halbe Stunde können wir den beiden Folgen, dann wird es Zeit nach den Hyänen zu schauen. Wir lassen die Tiere im hohen Gras zurück und fahren an den Ort an dem wir die Hyäne heute morgen peilen konnten.

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Dort angekommen ist das Signal verschollen. Unser Tracker schwenkt die Antenne einige Minuten. Nichts. "Ich habe eine Idee wo sie sein könnten.", wirft uns Martin entgegen, "Die Hyänen hatten vorgestern einen Kill ... Oben am Berg. Wir peilen mal von ihr unten an die Stelle.". Und schon beschleunigt der Geländewagen und wir fahren über eine steinige Piste an den Fuss des Berges. Martin peilt. Und siehe da - ein ganz schwaches Signal vom Bergrücken. Martin lässt sich Zeit, "Wenn wir umsonst den Berg rauf fahren, dann verschwenden wir einen Haufen Zeit. Ich muss mir sicher sein.". Er ist sich sicher. Wir fahren den Berg hinauf.

Oben angekommen ist das Signal weg. Der Tracker sucht. Nichts. Martin wird wieder leicht nervös. "Es muss eigentlich hier sein.", murmelt er vor sich hin. Dann nimmt er dem Tracker das Gerät aus der Hand und schwenkt es selbst hin und her. Nichts. "Das versteh ich nicht.", lässt er los und kontrolliert die Stecker des Kabels zwischen Antenne und Gerät. Mittlerweile ist eine weitere Stunde rum. Wir sind ein paar mal um die Stelle gefahren. Martin ist sichtlich gestresst. Jetzt wechselt er das Kabel. Die letzte Option. Piiieeeppp. Kommt es aus dem Gerät. Und das enorm Laut. "Sie müssen direkt hier sein", gibt Martin erleichtert von sich, "Sie sind am Kill. Der liegt genau dort im Gebüsch. Wir gehen gleich los. Ich muss nur prüfen das kein Leopard in der Nähe ist.". Martin wechselt die Frequenzen. Plötzlich ein weiteres - Piieeepp. "Das ist TJ.", flucht Martin, "Er ist auch am Kill. Wir können nicht aussteigen solange er hier ist. Das ist zu gefährlich.". Elfi und ich, wir schauen uns an. Das darf nicht war sein. So viel Pech kann man nicht haben. 

Wir warten noch eine Weile, aber TJ harrt der Dinge. "Er wird warten bis die Hyänen weg sind und sich dann über den Kill her machen.", vermutet Martin und bricht wieder ab. Es wird langsam dunkel.

Am Campingplatz angekommen steigen wir aus. Wir reden noch einmal kurz mit Martin. Morgen früh gehen wir zum Cheetah Tracking im Reservat, danach wollen wir unser Glück mit den Hyänen noch einmal versuchen...

Elfi & Andy auf Africatour - http://africatour.ankimo.net - ankimo1@googlemail.com