Nashorn tracken

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Keine 50 Meter von uns steht Hans-Otto. Wir beobachten ihn schon eine ganze Weile. Hans-Otto ist ungefähr 1.5 Tonnen schwer und eines der wenigen frei lebenden Spitzmaulnashörner in Namibia. Er lebt in keinem Reservat, in keinem Nationalpark, sondern ohne Grenzen im Damaraland. Dem Nordwesten Namibias.

Es ist bitterkalt und stockfinster als wir uns aus dem Bett schälen. Zähne putzen, Kameras einpacken, zur Lodge stapfen, Frühstücken, in den 4x4 setzen und es geht los.

Wir fahren den Berg runter. Es ist die selbe Straße die wir den blauen Klaus hoch gequält haben. Wir haben 3 Tracker und Melham unseren Guide dabei. Melham entdeckt eine frische Löwenspur die auf der Straße entlang führt.

Wir kommen beim Wachmann an. Er erzählt uns das der Löwe die ganze Nacht um sein Haus herum geschlichen ist. Man kann ihm ansehen, dass ihm dabei nicht ganz wohl war. Die Tracker und unser Guide lachen - Spass muss sein.

Wir biegen auf die Hauptstraße, von der wir gestern gekommen sind, ab und fahren nur wenige Meter als Melham zum Berghang zeigt und kurz von sich gibt, "Hyäne.". Wir schauen genauer hin und aus der Hyäne wird ein Löwe. Unser erster Löwe der Tour. Und das ist kein gewöhnlicher Löwe. Sie ist eine Rarität. Auch hier im Süden Afrikas leben die meisten Löwen nur in eingezäunten Reservaten oder Nationalparks. Diese ist  eine echte wilde Löwin. Wilder geht es nicht. Sie leben praktisch da wo sie gerade hin wollen. Ohne Zaun. 

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Doch das Licht ist noch zu schwach und die Löwin weit entfernt. Elfi macht ein Beweisfoto. Für mehr reicht es nicht. Den Augenblick muss man einfach nur genießen.

Besser konnte der Tag nicht starten. Jetzt geht es aber weiter. Wir rollen von der Straße in ein kleines Flussbett. Ein Weg führt hier hinunter in das Tal in dem die Nashörner leben.

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Die Nashörner hatten mal Sender in ihren Hörnern, aber die funktionieren schon lange nicht mehr. Die 3 Tracker müssen das Nashorn anhand der Spuren finden. Wir fahren in ein kleines Tal in dem eine Nashornkuh mit ihrem Kalb das letzte mal gesehen wurde.

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Wir verlassen das Auto. Die drei Tracker schwärmen sofort aus. Wir halten Funkkontakt mit ihnen. Langsam laufen wir in das Tal hinein. Malhem erzählt uns etwas über die Pflanzen, Tiere und die Geologie des Gebiets.

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Plötzlich bekommen wir das Signal. Die Tracker haben die Tiere ausgemacht. Es sind drei Stück. Die Kuh mit ihrem Kalb wird von einem Bullen begleitet. Jetzt wird es hektisch. Wir geben Gas. Es geht über unzählige Steinhalden, Äste, Wurzeln und allerlei Gebüsch. Wir haben keine Zeit zu verlieren. Nach 30 Minuten strammen Marschieren kommen wir über einen kleinen Hügel. Auf der anderen Seite im Gebüsch ist ein Ohr zu sehen. 

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Das reicht auch schon um Malhem zu verraten um welches Nashorn es sich handelt. Die Ohren sind mit Kerben markiert. Er muss die Daten später vermerken. Aber erstmal kommt die Kuh mit ihrem Kalb aus dem Gebüsch. Wir sind so still wie möglich. Nashörner sehen schlecht, aber ihr Gehör und Geruchssinn sind stark ausgeprägt. Jetzt erkennen wir auch den Bullen der nicht unweit in einem anderen Busch steht. 

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Doch plötzlich wird die Kuh nervös. Sie setzt sich mit ihrem Kalb in Bewegung. Der Bulle folgt. Der Wind hat gedreht. Die Kuh muss Witterung von uns bekommen haben. Langsam flüchtet sie in unsere Richtung. Sie scheint sich unschlüssig zu sein wo wir sind. Dann wird sie schneller. Mit einer Geschwindigkeit die man ihr nicht zugetraut hat kommt sie immer näher. 100m. 90m. 80m. 70m. 60m... Melham hebt einen Stein, dann schreit er laut. Jetzt hat die Kuh gemerkt wo wir sind und dreht ab. Sie flieht parallel an uns vorbei hinab ins Tal. Die Kameras klicken noch immer. Melham lässt den Stein wieder fallen.

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Wir verarbeiten den Moment noch als Melham uns wieder zurück zum Auto "jagd". Die Nashörner fliehen in Richtung Auto. Wenn wir schnell genug sind, dann bekommen wir sie vielleicht noch zu sehen. Vielleicht machen sie noch einmal halt.

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Die Hitze macht das schnelle Gehen zu einer anstrengenden Aufgabe. Aber wir folgen. Stolpern über Steine und schlingern durch das hohe Gras. Jetzt sind wir kurz vor unserem Auto, da bemerken wir die Tiere im Flussbett. Langsam schleichen wir uns in einem Bogen um die Tiere herum. Wir müssen Abwinds stehen. In den Büschen und Bäumen können wir nicht viel sehen. Wir hören auf das Schnauben der Tiere. Hier und da bricht auch ein Ast. Das hat was von Jurassic Park, wenn ein Nashorn irgendwo in einem undurchsichtigen Dickicht schnaubt und atmet. Plötzlich sehen wir den Bullen wieder. Er ist wesentlich entspannter als die Kuh mit ihrem Jungen. Man kann sehen wie er mit den Ohren nach uns sucht. Melham erkennt die Ohren sofort. Es ist Hans-Otto. Der deutsche Veterinär der ihn vor langer Zeit besendert hatte, hat ihn so getauft. Elfi macht die ersten Bilder. Ich knie mich vor ihr auf den Boden. Beginne ebenfalls zu fotografieren. Man kann das Tier deutlich hören.

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So verharren wir zehn Minuten bis Melham zum Rückzug bläst. "Wir wollen das Tier nicht weiter stören. Lasst uns gehen.", kündigt er an. Elfi dreht sich. Ich stehe auf. Dann dreht sich auch Hans-Otto mit einer Leichtigkeit die man ihm nicht zugetraut hat und verschwindet im Dickicht. Kurz kann man die anderen beiden Nashörner noch hören, dann ist wieder alles still.

Wir sind zurück am Auto und bedanken uns bei dem ganzen Team. Die Jungs haben spitze gearbeitet. Wir haben Fresspakete dabei die wir auspacken. Für das Essen haben wir es uns auf ein paar Steinen gemütlich gemacht. Melham erzählt uns etwas über seine Vorfahren die Nama und Damara. Dann lehrt er uns ein paar Wörter in der Klick - Sprache. Unsere Lernversuche lassen die Tracker in Lachen ausbrechen. Wir haben eine Menge Spass.

Es wird Zeit zurück zu fahren. Wir packen unsere Sachen als plötzlich noch ein Schnauben aus dem Dickicht kommt. Die Nashörner sind noch da. Das ist ein gutes Zeichen. Wir haben sie anscheinend nicht wirklich gestört. Der Geländewagen sucht sich seinen Weg zurück, als plötzlich ein Elefant auf dem Weg steht. Es ist ein echter Wüstenelefant. Die Tiere sind anatomisch etwas anders gebaut als die "normalen" Elefanten. Sie haben z.B. längere Beine, weil sie mehr Strecke machen müssen um ihren Hunger zu stillen. Wir beobachten das Tier eine ganze Weile, dann wird es Zeit.

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Vorbei an einigen Bussarden und einer Herde Paviane geht es zurück auf den Grootberg. Wir passieren noch einmal die Pferde. Sie suhlen sich gerade in einem Wasserloch. Das eine sieht aus als wäre es in Schokoladensauce getunkt worden.

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Wer auch immer das Pferd putzen muss. Der hat unser ganzes Mitleid. Wir verabschieden uns von der Lodge und fahren zurück nach Outjo. Morgen Abend haben wir schon einen Termin bei AfriCat in Otjiwarongo.

Kurz vor Outjo merken wir das unser Tank mal wieder gefüllt werden müsste. Da unser Campingplatz vor Outjo liegt verschieben wir das auf Morgen. Das soll uns noch mal beschäftigen ...

Elfi & Andy auf Africatour - http://africatour.ankimo.net - ankimo1@googlemail.com